Band 
Vierdter Theil. He - Mc.
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Vorrede.

fasser solcher zugaben für entschuldiget halten, wann sich dabeydie merckmahle derjenigen schwierigkeiten antreffen lassen, wel-chen die gemeldte bezetchnisse in den druckereyen unterworffensind; als wann zum exempel der ansang oder das ende der pa-remkeli« gegen die unrechte feite gewendet, oder auch wol ent-wederes zeichen davon gar ist vergessen worden. Auch könnteman allenfalls dafür nicht stehen, wann in der druckerey hieroder dort, wo etwa» die gemachte zugaben durch Übersetzungin der druckerey ausgelassen worden, das zeichen der Vermeh-rung am ende des artickuls nichts destoweniger geblieben wäre:Wovon man jedoch allhier so viel versichern mag, daß bey dereben jetzt nach Vollendung des drucks unternommenen, obwolsehr schnellen dnrchlauffung aller bezeichneten artickul des gan-tzen Wercks, auch auf diese art von versehen ist acht gegebenworden, um von solchen annoch in den druck-fehlern zu erin-nern ; aber ohne daß sich etwas desgleichen gezeiget hätte. Imgegentheil sind verschiedene artickul gleichsam von ohngefehrvorkommen, welche bey empfangener nahmhaffter vermehr-oder ausbesserung dennoch ohne zeichen waren. Der Leserwird einige proben davon eben unter den druck-fehlern bemercketfinden, als welche man aus anlas des gegenwärtigen vorwurfs,um denselben desto kräffliger zu widerlegen, nicht hat vorbeygehen sollen aufzuzeichnen.

20. ) Vom artickul Armagnac, so die zwanzigste klage aus-macht, ist um bequemerer ordnung willen schon zuvor ausführ-lich geredet worden, ohne das geringste davon zu vergessen.

21. ) Der vorwurf wider den gantz neuen artickul Atheistenist dem gelehrten Verfasser desselben ebenfalls droben psg. 7.gar leicht gewesen zu beschützen, als wohin die erörterung des-selben vorwurfs eigentlich zu gehören schiene. Nur was nochausser dem ungegründeten vorwurf von Personalien derAtheisten auch von schlechtem Zusammenhang bey ansang desartickuls gemeldet ist, das wird jetzt dem gelehrten Herrn Geg-ner gerne zugestanden. Doch muß man sich anbey billig ver-wundern , wie er doch, als ein so grosser meister in der Teut-schen rede-und schreibe-kunst, aus dem verstände des orts nichtvon sechsten habe erkennen mögen, daß solcher fehler nicht an,Hers als durch ein versehen der druckerey habe einschleichen kön-nen , und darinnen nothwendig etwas müste ausgelassen wor-den seyn. In gegenwärtigen errslis wird er die Verbesserungantreffen, und den Zusammenhang so leicht und natürlich fin-den , daß der gewißlich für sehr ungeschickt, oder gantz neidischmuß geachtet werden, welcher nicht beym ersten anblicke erken-nen wollte, der artickul hätte gleich von ansang nicht andersgesetzt und eingerichtet seyn können, als er sich da befindet.

22. ) Nun sind wir endlich bis an den allerletzten vorwurfgelanget, zu welchem der artickul Avalos (Alphonsus äs)Marchese äel Vasto , p. 296. col. 2. unserm gelehrten HerrnGegner den erwünschten anlas hat geben müssen. Er brichtalso damit hervor: Eine angenehme Veränderung ist es,wenn man in Avalos zu Basel gesetzt hat: er selbstnahm tapfer die flucht, an statt daß es in der Leipzigeraufläge geheißen: er selbst nahm zuerst die flucht. Hierist klar genug, daß sich unser Herr Gegner bey diesem orte weitmehr , als bey allem vorhergehenden gefallen habe, und fastnicht weniger dadurch zu gewinnen , oder der Baselischen aus-gäbe des Lexici keinen geringern stoß zu geben vermeynl habe;als eben in der schlicht bey Cerisoles, von welcher in den an-geführten Worten die rede ist, auf einer feite die Franzosen ge-wonnen » auf her andern aber der Marchese äsl Vasto , oderAlphonsus äs Avalos verlohren hat. Allein man bittet den-selbigen auch, an diesem orte nicht vor der zeit zu triumphiren.Wenige anmerckungen von keiner besondern weitlänftigkeit,als welche etwa die ausführlichen umstände des berühmten tref-ftns bey Cerisoles erfordern möchten, werden ihm die äugenüber den so gewiß eingebildeten Vortheil bald eröfnen, und aufsallerklärste anzeigen, daß er mit keinem unter allen seinen vor-würffen, übler, als mit diesem letzter», gefahren sey. Mannsdenn hiedurch geschiehet, daß die etwan gerne lachen, sich zu-letzt gegen ihm selbst wenden, und vielmehr seine anklage, zu-samt der in Leipzig gebrauchten ausdrückung: er selbst nahmzuerst die flucht, als welche lediglich aus einem übel verstan-denen orte des Moreri hergeholet ist, angenehm finden, wirders niemand, als ihm selbst, zuzuschreiben haben. Man sie-het zwar auch einen kürtzern weg vor sich, die fache zu schlichten,wo man nur den Herrn Gegner befragte: Ob es denn in Ober-Teutfchland nicht eben fowol erlaubt sey, zu schreiben: Erist tapfer geflohen; als man in Sachsen spricht: Er istbrav geflossen ? Doch weil die einbildung des hiedurch erlang-ten sieges bey unserm gelehrten manne gar zu tiefeingewurtzeltscheinet, so wirds freylich nicht schaden, demselben solchenwahn mit mehrerm fleiß und recht aus dem gründe zu nehmen.

Fürs erste hat an diesem orte der Herr Kläger, vielleicht wi-der seinen willen, zu erkennen gegeben, wie man zu Leipzig dieneue Baselische ausgäbe, wenigst so weit, als die vorwürffesich erstrecken, das ist, bis über den dritten theil des erstenbandes aufs allergenaueste durchsuchet, und gleichsam durch-spüret habe; Massen ja der unterscheid eines einigen Worts, ebenallhier in Avalos, und also in einem artickul, dem sich die Ba-selische wohl gehütet hatten, ein zeichen beyzufügen, dennochist entdecket worden. Wann nun jetzo ferner nach genauer er-wegung aller gemachten vorwürffe gantz deutlich am tage liegt,daß man einmal der Baselischen arbeit nicht den geringsten feh-

ler von einiger Wichtigkeit vvrzuwerffen habe, sondern alles,was auf die bahn kommen ist, lauter elende kleinigkeiten sind,wvrinnen noch die Osnsores meistentheils unrecht haben, undsich sechsten heftig verflossen; muß nicht daraus eines dieserzwey stücken nothwendig folgen? Entweder, daß die Baftlischeneue zugaben und ausbesserungen noch von einer ziemlichen guteseyn müssen, weil ein fo geschickter mann, wie der Herr Sen-sor ist, bey aller angewandter mühe und gröster begierbe zu ta-deln , doch nichts wichtiges auszusetzen gefunden: Oder , daßeinmal der Herr Gegner zu dergleichen Merck eben gar schlechtetüchttgkeit haben muffe. Dieser letztere wird wol zu gut hal-ten , wann die gar wenige achtung, welche man zu Bafel vonsich selbst machet, auch nicht minder verschiedene, theils nochin der alten Leipziger arbeit, theils in den Bafelischen zugabenselbst, nux bey nachsuchung der druck-fehlcr angcmerckle, undjetzo in die errat» eingebrachte verflösse , die gewißlich burchge-hends von weit mehrerer Wichtigkeit sind, als alles, was selbi,ger auf die bahn bringet, und so gar hoch aufzumutzen gesuchethat; wann, sagen wir, dieses endlich verursachet, daß manviel eher auf das letztere, als auf das erstere zu schliesset, geneigtist. Allein diß ist noch das wenigste, fo man hier dem HerrnGegner zu sagen hat. Es ist besser, zu der angenehmen Ver-änderung selbst zu schreiten; allwo er ohne zweifcl die Bastlermit verlangen erwartet.

2.) ,So setzet man denn für das zweyte, daß die Leipzigerausdruckung billig habe muffen geändert werden. Die Ursacheist klar. Denn sie enthält nicht nur eine offenbare falschhett,und streitet wider alle erzehlungen, so wir von der obgedachlenschlacht haben; sondern sie bestehet auch in einer unerträglichenkvxerkole, und zwar von solcher art, welche man sonst mithärtern nahmen zu belegen pflegt, wo sie also zu Verkleinerungvornehmer manner ohne dringende noth gebrauchet werden.Man will dem Herrn Gegner die fache klar vor äugen legen,weil doch die freude über die in Sachsen ungewöhnliche redenS-art ihm noch nie mag verstattet haben, solche mit unverlang-tem gemüthe einzusehen. Der angedeutete Alphonsus ckAva-los, oder Marchese äel Vasto, soll in der schlacht bey Ceriso-les zuerst die flucht genommen haben. Nun war dieservon dem Verfasser des Leipziger artickuls gerade vorher einerder grossen Generalen feiner zeit genennet worden.Selbiger hat auch in der that von ferner ersten jugend an denschwersten feldzügen beygewohnet; er war durch alle staffeln derkriegs.ämter gestiegen, bis er zuletzt die armeen des KaysersCaroli V. als oberster Feldherr, zu cvmmandiren bekam; erist auch diese gantze zeit über nicht allein als ein erfahrenerKriegs-Oberster, sondern auch insonderheit als ein behertztersoldat gerühmet worden. Die einige schlacht bey Cerisoles hatseinen rühm verdunckelt; wobey er denn so viel ehre im leibe ge-habt , daß er sich in kurtzem deswegen zu tode grämete. N»nist die frage, ob es erlaubt sey, von einem solchen manne, oh-ne einigen gründ, ja gegen die kläresten umstände der Historie,zu melden: selbiger hätte in dem angedeuteten treffen, unterso vielen raufenden, aus welchen sein kriegs-heer bestünde, zu-erst die flucht genommen. Es soll nicht schlimm seyn, denLeipziger Verfasser darüber genau anzuhören. Nachdem sol-cher alles obvermeldte noch mit mehr und weitläufigern um-ständen zum lobe des ä'Avalvs angeführet, fähret er unverse-hens also zu: An. 1544. verlohr er die berühmte schlachtbey Cerisoles in piemont, daerrzooo. der steinigen amdem platze, und 2500. gefangene dem feinde überließ.Er selbst nahm zuerst d,e flucht, da er doch zuvor dessieges, als ob er solchen schon erhalten, sich soll ge-ruhmet, und 4020. ketten , um die gefangene Franzo-sen damit auf die galeeren zu schmieden, mitgenommenhaben. Jeder vernünftiger Leser muß sich ja verwundern,wann er nach allem obgedachten rühm dergleichen plötzlicheVeränderung antrift : Er selbst nahm zuerst die flucht.Doch wie seltsam biß klinget, und wie sehr dadurch die ehre ei-nes grosse» Mannes geschmälert wird; so hätte man gleichwolnichts dagegen einzuwenden, und würden auch die worte in derBafelischen anflage immer stehen Mieden seyn, wo nur eu»einiges zeugnis von der geringsten tuchtigkert sich dafür anfuhrenliesse. Es ist aber dieses gar ferne. Denn da uns die schlachtbey Cerisoles würcklich von mehr und bessern köpfen, als keManderes treffen der vergangenen zeiten, sonderlich auch durchverschiedene sehr erfahrne kriegs - leuthe ist beschrieben worden;kommet doch keinem davon je in den sinn, etwas dergleichen Mgedencken. Ohne jetzt die viele Spanische und Italiänische ge-schicht-schreider Caroli V. anzuziehen, welche vielleicht jemanoin gegenwärtiger fache für parteyisch ansehen möchte; st kön-nen uns die Franzosen selbst schon genug zeugnis hlevon abstat-ten , als welchen im übrigen in dem, so zu Verminderung desschimpft von ä'Avolos dienen kau, um so mehr zu glauben M,weil sie nicht nur demselben als einem feinde, und welcher sich wgrosser streiche wider sie ausgethan, gramm waren; sondernauch damals einen gantz besondern haß wider solchen hegten;Massen sie in den vesten gedancken stunden: selbiger allein hatteihre zwey Gesandten , Fregosum und Ninconem mittm imfrieden auf dem Po auffangen, und denselbigen heimlich denrest geben lassen : wie denn auch der König Franciscus l. die-ses für eine der vornehmsten Ursachen seiner kurtz vor dem tref-fen bey Cerisoles geschehenen kriegs - ankündigung gegen dieSpanier wollte gehalten wissen. Nun haben wir aus ven