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Üadt war vor Zeiten so mächtig, auch wegen ihres regiments,erhaltener siege und schulen dermassen berühmt, daß die Rö-mer ein bündnis mit ihr machten,und ihr verschiedene privil-Ziaertheilten. Von wem diese stadt eigentlich ihren Ursprung ha-be , darüber können sich die historien-schreiber nicht vergleichen,vb sie wol alle davor halten , baß sie ihre gründung denPhocerisern zu dancken habe; denn man glaubt , daß dieseAsiatische Griechen zu 2. verschiedenen malen in Provence ge-kommen , nemlich das erste mal ungefehr /k. X. 164. da sie dengründ zu dieser stadt gelegt, worauf nach ;o. jähren eine anderedahin kommende colönie von ihnen selbige überaus sehr erwei-tert und ausgezieret hat. Einige setzen hinzu, daß diese Asiati-sche kaugeuthe Griechen gewesen , und daß sie bey ihrer ankuuftin diß land von Nano, dem Könige des Ligurischen Galliens,freundlich aufgenommen worden, dessen tochter Gyptis, sonstPetra genannt, weil es ihr, trafst der landes-gesetze, frey ge-standen , einen gemahl auszusuchen, ihr Hertz dißfalls aufden Obersten der Griechen, Eurenum, gerichtet, und ihn dar-in erwehlet, welches sie ihm, wie einige berichten, durch schen-ckung eines blumen - krantzes, oder wie andere wollen, durchdarreichung einiges wassers zum waschen, oder wie noch anderevorgeben, durch präsentirung ihres bechers, woraus sie zu trin-rken pflegen, durch verstehen gegeben. Aus dieser ehe soll Pra-lls , das Haupt der zu Marseille sehr berühmten Krotidischenfamilie, gebohren seyn. Wie nun Euxenus sich zu dieser heu-rakh willig verstanden, also soll er seiner neue» qemahlin nah-men Petta in den Griechischen Aristoxena verwandelt haben.So wird der erste Ursprung der stadt Marseille in einem stückdes buchs Aristotelis äs Xsxubl. erzehlct, welches uns Athe-väus erhalten, und hat es noch ferner Timäus , den Marcia-Nus Heracleom citiret, mit ausdrücklichen Worten bestätiget.Es wird zwar noch eine andere erzehlung vorgebracht, von ei-ner grossen menge Phocenser, welche, a!S ihre stadt unterCyri regierung von Harpago erobert worden, um sich nichtdem verhaßten joch der Perser zu unterwerffen, sich in Gal-lien soll begeben , und allda Maßiliam gebauet haben. Nunhat dieselbe in der that keine ältere »rhcbcr, als Isocratem,und nach solchem Hyginum, laut einem zeugnis des A. Gel-ln , welchen ferner die neuen scribentcn gefolgek. Allein da we-nigst Herodotus, und gleich nach solchem auch Antiochus, derwohl ;oo. jähr vor Christi geburt die ältesten gefchichte Italiensbeschrieben, und von dem Strabo das, so die flüchtigen Pho-censer angehet, seinen büchcrn einverleibet hat, so viel klar an-zeigen , daß diese sich erstlich in Corsica, nachmals in Italiennm Velia gesetzt; so ist gar nicht unglaublich, daß auch mehreredavon zu ihren lands-leuthen sich in das kurtz vorher angebauteMaßiliam werden begeben haben, um so viel eher , als sie un-Ameme mühe gehabt, sich anderwärts niederzulassen , undnicht ohne grossen Verlust aus Corsica weggejagt worden. DißWare also die andere Phocensische colonie, so nach Marseillekommen. Diese einwohner machten sehr gute gesetze, stifte-ten unterschiedliche tempel, und eine berühmte Academie,brachten die künste und manufacturen in guten stand, undwaren sehr beflissen, das land zu bauen. Das regiment warchlsiocratisch, und aus 6oc>. Rathsherren, woraus die regie-stierung bestund, wurden allemal 15. erwehlet, welche sich nmdie stadt-affairen bekümmern musten. Diß heutige Marseille hateine andere läge als das vorige. Die alten Marsilier führtenw dem grösten theil von Gallien höfliche silten ein, lehreten dieGallier ihre buchstaden und die manier zu schreiben , wo-von eine probe ist, daß Cajar meldet, nachdem er die HelvetierÜberwunden, hätte man in ihrem laqer die zahl des ausgezo-genen volcks mit Griechischen buchstaden aufgezeichnet gefun-dn, wobey dann niemand anders glauben wird, als daß die-le bnchstaben und schreib-art eben durch die Maßilienftr in die-V gegenden sey gebracht worden. Als sie sich durch die S-ilyss,c>n LiguristheS daselbst wohnendes volck, hart bedränget fanden,luchten fle hülste bey den Römern,welche dabey gelegenheit nah-men , die Gallier mit hüiffe einer so mächtigen mitten in sol-chem lande liegenden stadt zu bekriegen, wie dann Cicero zusonderbarem rühm derer von Maßilia anziehet, daß die Rö-mische Feldherren nie über die Gallier triumvhiret, ohne daßMich, diese an-er ehre des trtumphs theil gehabt; und die Rö-mer insgemein bekennen, baß sie niemals treuere und großmü-tigere freunde gehabt, als sie. Sie waren auch sehr mächtig,gestalt sie öfters mit den Galliern, Liguriern und andern natio-«en krieg führten, unterschiedliche städte, als Nice,Antibe,Agde,<c. daueren,und colorüen anrichteten. Nur in dem bürgerlichenchlege zwischen Casare und Pompejo, da sich die stadt zu folge"n Müssen des Raths zu Rom wider den ersten erkläret,' ,iwd sie durch eine scharfe belagerung endlich bezwungen undM» härteste tractirt, ja würcklich im triumph vorgetragen.
den folgenden zeiten müssen sich auch die sitten dieser stadtjMidm haben, weil Athenäus, der im II. Lseculo gelebt, deut-zu verstehen giebt, daß man zu seiner zeit schwelgerey und§"Mlassenheit Maßilianische sitten gcnennet habe. Auch müssen^Iald darauf gar die Griechische spräche vergessen haben ,r," dthias aus dem V. fteculo schreibt: nunmehr wäre tued^wolv Griechische stadt barbarisch worden. Bey dem zerfallKomischen Reichs kam Maßilia erstlich unter die Wcst-a^mlschen Könige, Curicum und dessen söhn Alaricum; baldblich Alarici rode unter Thcodoricuin , den Konig der^It-Gvlhen. Dieses Nachfolger musten selbige an die Kran--
ckischen Könige des ersten stammes überlassen, von welchen sieauch auf die Carlovinger kommen ist, nur daß sich zu den zel-ten Caroli Martelli ein gewisser Oux Muwncius empöret, unddie Saracenen zu hülste gcruffen, aber dennoch letztlich die stadtzu verlassen, und sich mit diestn seinen helfftrn übers meerzu retten gezwungen wurde. In den Heilungen, welchedie nachkommenschafft Carvli N. unternoinmen, fiel Marseillezum Arelatenfischen, und wie es auch oft genennet wird, zumBurgundischen Reiche. Aber wie dadurch die Fränckischemacht sehr geschwächt ward, so war es den Saracenendesto leichter, die kästen von Provence, und nahmentlich Mas-stliam einzunehmen und zu verwüsten , welches dann noch voransang des X. sieculi unterchudovici llslbi regierung geschahe,da zu gleicher zeit Hugo, als Graf von Arlcs , der vornehmsteLandcs-Herr war. Doch nach einiger zeit fiengen sich dieselbigewieder an zu erholen, und wurden «öfter und kirchcn vonneuem zu stände gebracht, sonderlich durch Vorschub des Bur-gundifthen KönigS Conradi kssisici, da sich vorher die Geist-lichkeit der stadt ausserhalb enthalten müssen , und so langedas kloster von St. Andre in der Camargue besetzt hatte, wel-ches der Ertz-Bischoff zu Arles, Manasses'chein damaligen Mas-siliensischen Bischofs, Dragoni, aus erbarmen eingegeben hatte.Eben um diese zeit gegen ende des X. ft-culi findet man Vi»comten von Marseille, welche ohne Zweifel Gouverneurs derstadt gewesen ; die aber bald die höchste gewalt an sich ge-rissen , sich Vice - Grafen von GOttes gnaden genennet, 'obschon mit erkenmmg der Kayserlichcn Hoheit, die aber von ih-nen wegen der weiten entfern»ng schlechtlich genug gefürchtetward. Jedoch wie diß hieben etwas besonders, daß diese Vi-comten ihre habende gewalt immer unter alle ihre habendeerben vertheilten, so bekam dadurch die stadt gelegenheit, ei.nen theil davon nach dem andern an sich zu handeln , bis sieendlich durch dieses Mittel die völlige souveraimtat erhielte,nur einige rechte ausgenommen, so die Bsschöffe an sich ge-bracht. Allein diese Oberhcrrlichkeit und freyes regiment ei-ner solchen stadt war den benachbarten Grafen von Provenceein dorn in den äugen. Daher schon Carl von Anjou, desLudovici IX. oder 8Müi bruder, an. i2;r. als sie kaum dieletzten rechte an sich erkauft, selbige schon zwang, ihm einigeunterwerffung zu erzeigen, und seine befehlshaber in ihrestadt zu nehmen. Und als hierauf das erfolgte, was der Grafallem ansehen nach vorgesehen, ja gewünscht hätte, daß dieburger ihren Widerwillen gegen diese bediente und seine ei-gene person durch verschiedene ausgelassenheiten bewiesen ; soließ er sie durch die Richter zu Air, als verletzer seiner Fürst-lichen Hoheit, und ihre stadt der Grafschafft Provence zur strafeverfallen , erklären ; worauf sich auch die stadt in erwegungdes Grafen macht bequemen muste, und dieser die noch bisdahin in dem Bißthum gebliebene Vorrechte vermittelst eineslausches an sich brachte. Nur erhielte Marseille, daß sie einbesonderer Stand verbleiben, und der Grafschafft nicht möchteeinverleibet werden. Sie suchte zwar bald hernach an. 1262.dieses neue joch wieder abzuschütteln, wurde aber bezwun-gen , und ihre unterwerffung nur mehr bevestiget. Doch ha-ben sie noch immer grosse Vorrechte, und ein ziemliches anse-hen einer freyen stadt sowo! unter den alten Grafen vonProvence, als nachmals unter den Königen in Franckreich, auwelche sie an. >481. nach abgang der Grafen samt dem übrigenProvence gefallen ist, erhalten, und beyde nicht änderst alsbesondere Ober-Herren ihrer stadt ohne einige abhangung vonder provintz erkannt; wie sie dann auch ihre auflagen dem Kö-nig absonderlich bezahlen, und dißfalls mit den Ständenvon Provence in nichts eintreten , auch bey dem aufbot dessogenannte» X-m und Lrrisrs - ö->n nicht erscheinen wollen.Nur haben fle sich dem rechts-spruch des ihnen von Francifto I.gesetzten Lieutenants äs Is 8enecksuttee , und in appellationendem Parlement von Air unterwerffen müssen. Erst an. i66c>.hat Ludovicus XIV. weil man mit der auffühnmg dieser stadtnicht zufrieden war, als er in eigener Person dahin gegangen,selbiger ihre freyheit weggenommen , und sie durch anlegungder citadelle zur rechten feite der einfahrt des Hafens, auchbeyfügung mehrerer vestungs-wercke zu dem rour äs St. Jean,welcher zur linckech dieser einfahrt stehet, gantzlich gezaumet.Solisten hat an. 142;. Alphonsus V. Königin Aragonicn,als er mit Renato von Anjou, Grafen in Provence, wegenNeapolis im krieg stunde, die stadt Marseille durch unverse-hene anländung überrumpelt und eingenommen , aber nichtlange behalten. In der bigus war sie die hartnäckigste unterallen Französischen städten , fchlcte auch wenig, daß sie nichtzuletzt, als sich sonsten schon alles für Henricum IV. bequemet,von den aufrührern, sonderlich deren Haupt, dem Castwx,an Spanien wäre geliefert worden, (siehe Casaux.) Hinge-gen wehrte diese stadt an. 1524. sich wider Carolum vonBourbvn, und an. 1516. wider den Kayser Carolum V. sehrtapfer. Nachqehends ist sie auf des Königs bcfehl erweitertworden, so daß sie,anjetzo vor eine der grösten, schönstenund volckreichsten stadte in der weit paßiren kan. Sie hateinen schönen und geraumen haftn , viel kircben, klöstcr, (un-ter welchen sonderlich das Benedictmer-kloster zu St. Victorvor andern merckwürdig ist) 8emm8n->, Hospitäler, ansehnlicheqebände, so zur ansrustung der schiffe und galeercn nöthig sind,öffentliche marckt-platze und brunnen, welche alle von Hem-den besehen zu werden verdienen. Ihr haftn ist fthr sicher,» und