4-
Brieke von Lkirmz an Christian Piiimi*p
sehe, physikalische und chemische Probleme und Entdeckungen, Uber llarz-gruben, Zink, Talk, Phosphorus, Borax, über Aullösung des Goldes, Balsa-mirung, Mikroskop, Stand des Barometers, ferner über die neuesten Erschei-nungen im Buchhandel, Lebensumstände damaliger Gelehrten, Bestellung einesHofmeisters, ja endlich von Bücherkäufen und Schuldforderungen des Verfas-sers. Dies Alles ist mit schroffen Uebergängen, zum Theil ohne Absatz undPunctum, zum Theil mit Randglossen und Postscripten, aneinander gereiht oderuntereinander gemischt. Eben so wenig genau als mit dem Zusammenhängeund der Reihenfolge der Gedanken hat es Leibniz mit der Aeusserlichkcit ihrerDarstellung genommen; nachlässig ist der französische Styl, der nicht etwalilos in Orthographie Blossen giebt, nachlässig und incorrect (he Schreibungvon Eigennamen; die Handschrift endlich, nicht selten durch Stellen, wo Wör-ter und Sätze ausgestrichen sind, unterbrochen, ist schwer leserlich undmanchmal nur mit Mühe und durch Goinbination zu entziffern; elegant mit ei-nem W r orte ist an den Briefen nur der goldene Schnitt, den einige haben.Darum ist in der Form keine Entschädigung dafür, dass der Gehalt in wissen-schaftlicher Hinsicht wenig befriedigt. Ob man nun aber sehr zu beklagenhabe, dass Leibniz der damaligen Unsitte der Deutschen, bei dem Briefwechselmit Deutschen sich der französischen Sprache zu bedienen, sich hingab, ohnediese, mindestens in den vorliegenden Briefen, elegant oder correct zu ge-brauchen? Mit aller Ehrerbietigkeit gegen Leibnizcns spätere Bemühungen diedeutsche Sprache zu fördern gesprochen, lässt sich behaupten, dass dieseBriefe, wenn deutsch geschrieben, nicht um des deutschen Ausdrucks willenan Werth gewinnen würden (s. die Note zu Brief XXIV.), und wenn Leibnizes nun einmal hier mit dem sprachlichen Ausdruck nicht genau genommen hat,so kann man sich um so leichter darüber trösten, dass diese Briefe nicht deutschgeschrieben worden sind. Dass der Herausgeber es für angemessen erachtethat, sie, abgerechnet die W'eglassung des regelmässig wiederkehrenden Schlus-ses, Monsieur, votre tres-humble et tres-obei'ssant serviteur, mit urkundlicherGenauigkeit abdrucken zu lassen, bedarf kaum der Anzeige. Uebrigens habensieh nicht alle Briefe von Leibniz an Philipp erhallen; dem ersten in unsererReihe mögen mehrere vorausgegangen sein, sicherlich wenigstens einer, dennnach einer gefälligen Mitlheilung, die der Herausgeber dem Herrn Doclor Gro-telend zu Hannover verdankt, beginnt der erste der in der königlichen Biblio-thek daselbst aufbewahrten Briefe Philipp s an Leibniz, vom 4. September 1678:Je ne receus votre agreable lettre du 28 Aoust que par le dernier ordinaire,also war der zu Anfang unserer Sammlung befindliche nicht der erste gewe-sen, desgleichen kann kein Zweifel sein, dass in der Zeit vom November T 071)bis dahin 1680, in welcher Zeit Philipp 23 Briefe an Leibniz gesandt hat, inunserer Sammlung aber eine Lücke ist (zwischen Brief XVI. und XVII.), Leibnizseinem Correspondenlen zu wiederholten Malen geantwortet halte; bei einemder zu Hannover aufbewahrten Briefe Philipps (vom 25. Februar 1080) be-findet sich eine Antwort von Leibniz.
Wer nun war dieser llcissige Correspondent von Leibniz nach seiner Stel-lung in Leben und Wissenschaft? Wir geben nicht eben viel darauf, dass erin Briefwechsel mit Leibniz gestanden hat, denn dies haben Manche mit ihm