von C. G. Lehmann.
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Viel Mühe hat sieh der Verfasser gegeben, katarrhalische Entzündungender Luftwege hervorzubringen, allein bis jetzt sind ihm alle Versuche der Artverunglückt; in mit schwelliger Säure, salpetriger Säure, Chlorgas oderEssigsäuredämpfen gemischter Luft athmen die Kaninchen oft längere Zeit ohneauffallende Beschwerde, oder sie bekommen Erstickungszufälle und werdenasphyktisch; bringt man sie bald wieder in reine Luft, so erholen sie sich sehrschnell, und man merkt an ihnen durchaus keine krankhafte Erscheinung mehr.Lässt man die Ihiere aber einige Zeit asphyktisch in der mit Dämpfen gefülltenAtmosphäre liegen, so bringt man sie nicht wieder zum Leben. A. Mendels-sohn führt in seinem classischen Werke (Der Mechanismus der Respirationund Circulation u. s. w.) verschiedene Methoden an, in Thieren entzündlicheAffectionen der Brustorgane hervorzurufen; der Verfasser würde schon mehreredieser Methoden versucht haben, wenn er nicht lieber ein Leiden der Lungenvermeidend, den directen Einfluss einer grössern Entzündung auf die Respi-ration hätte erforschen wollen; doch sind ihm, ausser den oben angeführtenVersuchen, in Hervorbringung von Entzündungen anderer Organe als derLungen in neuerer Zeit keine so genügend gelungen, dass sic hier angeführtzu werden verdienten. Nervenexcisioncn brachten entweder einen paralylisehen Zustand der betroffenen Thoilc hervor, bei dem die 'filiere sich ganzwohl befanden, oder jene Theile gingen zu schnell in eine gangränöse Ent-zündung über, als dass eine reine Beobachtung über den Effect der Entzün-dung auf die Respiration hätte gemacht werden können. Verwundungen derUnterleibsorgane, fnjeclion von Säuren oder spirituösen Flüssigkeiten (wieletztere C. G. Mitscherlich versucht hat) sind mir bis jetzt eben so weniggelungen, wenigstens nicht insoweit, dass ich eine den obigen ähnliche Reihevon Untersuchungen und Beobachtungen hätte anstellen können.
Auf solche Schwankungen, wie sie kurz nach einem stärkern operativenEingriff in den Grössen der exspirirten Kohlensäure Vorkommen, ist sichernicht viel zu geben.
In ganz ähnlichen Fällen, wo die 'filiere nach circa üi — 36 Stundenverendeten, zeigte sich 3 bis ö Stunden nach der Operation fast eben so häufigeine Vermehrung als eine Verminderung der exhalirten Kohlensäure.
Der Verfasser ist noch unausgesetzt bemüht, in Thieren sogenannte in-flammatorische Dyskrasien hervorzurufen, deren langsamerer Verlauf einegenauere Untersuchung der Mischung des Blutes und Vergleichung der Kohlen-säureausscheidung zulässt ; er verschiebt daher auch die etwa aus diesen vor-läufigen Versuchen hervorgehenden Folgerungen auf eine spätere Mittheilung.So viel indessen kann der Verfasser sich nicht enthalten anzudeuten, dass auchjene von einigen Chemikern aufgestcllte und von manchen Pathologen willigaufgenommene Ansicht, das chemische Moment der Entzündung beruhe in einerzu jähen Oxydation der Blutbeslandtheile, auch in den wenigen hier mitge-theilten Versuchen keinen Halt findet. Das Vorkommen der Proteinoxyde inentzündlichem Blute ist eine ausser allem Zweifel gestellte Thatsache; alleinman kann aus diesem Vorkommen mit demselben Rechte auf eine vermin-derte Oxydation des Bluts schliesscn, insofern durch den freien Sauerstoffdie Proteinverbindungen nicht vollkommen zerstört, d. h. in Harnsäure, Ilarn-
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