Buch 
2 (1830) Zweiter Theil, welcher die angewandte Physik enthält / von G. W. Muncke
Entstehung
Seite
310
JPEG-Download
 

310

So viel man weifs wohnten anfangs Volsker in dieserGegend, und hatten den Boden gesund und fruchtbar ge-macht, bis sie von den Römern unterjocht wurden. Ohdieser Zustand der Gegend noch bestand, als 422 n. R. E<die via Appia durch App. Claud. Coecus gebauctwurde, ist ungewifs, aber 280 J. später unternahm Corn .Ceth egus die Austrocknung derselben, wurde aber hierandurch den Tod Casars gehindert. Augustus unternahmdieses abermals, und man glaubt, dafs er einen schiffbarenCanal in der Länge der Sümpfe neben der Appischen Slrafsöwieder hergestellt habe. Von ihm rührt noch ein Canal,welcher am Fufse des Berges Circeo vorbei, an der Seitevon Tcrracina sich nach dem Ufer des Meeres erstreckt.Die via Appia wurde unter Nerva und Trajan reparirt,aber Austrochnungs-Versuche machte zuerst wieder derPatricier Decius unter Theodorich mit vollkommenemKrfolge. Die Sache dauerte aber nicht lange, und es wurdedie Arbeit wiederholt unter den Päbsten Leo X. ,Sixtus V. und vorzüglich Pius VI . Der erstere lief*im Anfänge des 16 ,(!n Jahrhunderts unter der Leitung desJulius v. Medicis durch den Ingenieur GiovanniScotti den sogenannten Portatore di liaditto bauen, wo-durch die Sümpfe einen Abilufs ins Meer erhielten. Derzweite brachte den Canal Sisto 1588 durch AscanioFenizi zu Stande, der dritte endlich legte im 18 ten Jahr-hundert einige bedeutende Werke an, vorzüglich einenCanal, linea morta genannt, unter der Leitung desBapini von 1777—^1781-

Die Ungesundheit der Sümpfe wird hauptsächlich be-dingt durch die zahlreichen Insecten, welche dort ent-stehen, und vermodern, nebst der Menge von Wasser-thieren. Die Ausdünstungen der Pontinischen Sümpfegehen des grofsen zwischealiegenden Waldes von Simonettaungeachtet auf 40 Meilen bis Rom . Die Flüsse Atnosenusund Ufens erzeugen durch ihre Ueberschwemmungen dieseSümpfe, welche der Sitz weniger armer und bleicherFischer sind, umgeben von zahllosen Hecrden Insectenund Fröschen.

In Romagna ist gleichfalls eine sumpfige Fläche vonweitem Umfange, in Nordasien und Nordamerica giebt e*deren in Menge und von sehr bedeutender Ausdehnung.

Manche grofse Strecken solcher auf trüben, schmutz 1 'gen Wasser schwimmender Erdschichten wurden oft losgc-rissen, und bildeten schwimmende Inseln, welche zuweilen