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2 (1830) Zweiter Theil, welcher die angewandte Physik enthält / von G. W. Muncke
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Der Oststrom, oder nach der Sprache der Schiffer, undder bei den]Schriftstellern deswegen aufgenommenen Be-zeichnungsart auch Weststrom, auf allen Fall die westlicheStrömung , holländisch Dienung genannt, zeigt sich unterdem Aequator im grofsen Oceane, indem das Wasser gegen2 bis 3 Meilen in einem Tage von Osten nach Westenzurüchlegt. Auf diese Art strömt das Atlantische Meergegen die Westindischen Inseln , eine starke Strömung zeigtsich in der Magellanischcn Meerenge, und in der Strafscvon Java.

Als Ursachen dieser Strömung, welche unter demAequator westlich, nordwärts von demselben nordwestlich,und südwärts von ihm etwas südwestlich wird, lassen sichhauptsächlich der beständige Ostwind unter dem Aequatorund die täglich zweimal wechselnde Fluth, vorzüglich inVerbindung mit dem Einflüsse ansehen, welcher durch denUmschwung der Erde um ihre Axe hervorgebracht wird.Denkt man sich nämlich, wie der Mond (wovon die Anwen-dung leicht auf die übrigens gleiche, nur etwas geringere,Einwirkung der Sonne gemacht werden kann) binnen etwasüber 23 Stunden von Osten nach Westen scheinbar um dieErde läuft, und dabei das Meer so in die Höhe hebt, dafses etwa 2,5 Stunden nach dem Durchgänge jenes durchden Meridian seine gröl'ste Höhe erreicht, so folgen hierauszwei Wirkungen nothwendig. Zuerst muf’s das Wasserdes Meeres hinter dem fortrückenden Monde hergezogenwerden, und durch diese fortdauernde Kraft endlich nachdem Gesetze der Trägheit eine eigene Bewegung von Ostennach Westen erhalten. Zweitens aber wird das Gewichtder Wassersäulen an den angezogenen Stellen unter demAequator durch diese Hebung geringer werden, die hier-durch erzeugte Umwandlung der runden Erdkugel in dieelliptische Form mufs sich auch nach den Polen hin er-strecken , und der Druck des Wassers daselbst unter den-

i) Es war unlängst bei den Schiffern eingefiihrter Sprachgebrauch,die Richtung des Windes nach derjenigen Weltgegend zu be-zeichnen, woher er kommt, des Wassers dagegen, wohin esRiefst. Hiernach ist die beständige Richtung des Windes unterdem Aequator östlich, die des Wassers dagegen westlich, undwenn man jene durch Ostwind bezeichnet, so müfste dieseWeststrom genannt werden , und heifst auch allezeit westlicheStrömung. l)er Ausdruck: Weststrom ist minder gebräuchlich,mehr Oststrom, jedoch wird hierunter zuweilen der später zubeschreibende Golphstrom verstanden.