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Bei den Römern giebt es zweierlei Weisen dieser Orientirung der Tempel,die Tuskische und Hellenische. Diejenigen Tempel welche nach der Auguraldisciplin ge-weiht werden erhalten die Richtung von Norden nach Süden, so daß Cella und Pro-naos nach letzterer Himmelsgegend schauen. Denn weil der Tempel nach TuskischerKultanschauung eine Verbildlichung des himmlischen Sitzes der Götter ist welcher imNorden der Welt angenommen wird, so muß die Richtung und Raumanlage ihresirdischen Hauses auch diesem entsprechend sein; die Anordnung der Räume geschahdaher folgender Weise. So bald die Oertlichkeit des Heiligthumes bestimmt ist,fixirt der nach Norden sehende Augur das quadrate Templum welches er mit demLituus am Himmel beschrieben hat auf dem Boden, so daß die mittelst Pfählen undLeinwandteppichen gebildeten drei Wände desselben die Fundamente und Wände, dieeingeschlossene Fläche also die Area des Tempelhauses bezeichnen; hierbei wird die süd-liche Seite dieses genau orientirten Templum als Eingang des offenen PronaoS auchoffen gelassen. In Mitten dieses Templum stehend theilt alsdann der Seher vermöge desAuguralkreuzeS welches durch Cardo und DekumanuS beschrieben wird, die Räum-lichkeiten des Hauses so ab daß zuerst der DekumanuS, oder die von Morgen nach Abenddurch den Zenith beschriebene Linie, das Templum in zwei gleiche Theile scheidet; vondiesen wird der nach Norden gelegene Theil oder das Postikum zum Sitze der Götter,also für die Cellen, der nach Süden gelegene Theil aber für den PronaoS oder denRaum vor den Cellen bestimmt. Die Designation des Cardo oder der von Mitter-nacht nach Mittag den DekumanuS kreuzenden Linie, hatte den Zweck die Regionen desGöttersitzeS, also die Lage der verschiedenen Cellen dem entsprechend zu bestimmen, so daßbei der bekannten Tuskischen Trias, Jupiter die Mitte, Juno die rechte oder östliche,Minerva aber die westliche oder linke Cella angewiesen erhielten; der Schneidepunktder Kreuzeslinien wo der Augur selbst stand bezeichnete die Thüre der mittlern Cella,an welcher späterhin die Einweihung des Hauses vor sich ging und unter deren Schwelleauch wahrscheinlich der Grundstein eingesenkt wurde. Diese ganze Handlung verrichteteübrigens der Augur in tiefster Stille und bei brennender Lampe. Hatte derselbe diesGeschäft vollendet, so empfing die Area erst die Consekratio durch den Pontifex Maxi-muö bevor der Grundstein gelegt werden konnte. Als Gesetz gilt es übrigens daßdie hierdurch bestimmte Area mit ihren Räumen so unverrükkbar und unveränderlich wardaß, wenn irgend ein Ereigniß das erbaute Tempelhaus zerstörte, jede Wiederherstellungan die alten Fundamente gebunden war^H.
Von solchen Tempeln mit drei Cellen giebt die ziemlich genau erkannte Ein-richtung des Kapitolinischen Tempels ein anschauliches Beispiel. Es befanden sich indiesem, parallel neben einander und in der angegebenen Lage, die Cellen des Jupiter,der Juno und Minerva im Postikum, ihre Bilder standen in Aedikulä nach Süden