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Homer weiß daß es das größeste Unglükk für den Menschen sei den Gott in seinerwahren Gestalt zu erblikken, und Kallimachos nennt es ein Gesetz des Kronos: daß dasGewicht der furchtbaren Strafe auf den Frevler falle der wider der Gottheit Willeneinen der Olympischen erblikke; darum wurde Semele von den Flammen verzehrt alsihr Zeus die Bitte gewahrte seine Gestalt zu schauen, Teiresias erblindet beim Anblikkedes Pallasbildes im Quellenbade der Hippokrene, Aipytos als er in den Poseidon-Tem-pel eindringt den doch die Religio zu einem Abaton erklärt hatte; den MakedonischenSoldaten geht es eben so im Tempel der Daktylen zu Theben und der Demeter zu Milet ;selbst den Sieger von Marathon verjagt ein furchtbares Grauen von der Schwelle desDemetertempels auf Paroö, und vor der vermeinten Erscheinung des Pallasbildes zuPallene flieht der ganze Heerhaufe der Aetoler; der Pontifex Metellus wurde seinesAugenlichtes beraubt als er das Palladion im Vestatempel mit seinen Augen schauenmuste um es aus den Flammen zu retten; der Heros Eurypylos rast beim An-blikke des im Schrein verborgenen Gottes; Herse und Agraulos ließen im Wahne ihrLeben für ein gleiches Vergehen, und jenen Spartiatischen Männern welche dem Bildeder Artemis Orthia zum ersten Male opfern wollen, raubt plöhlich erregte Kampfwuthund Krankheit das Leben. Dieser Begriff des Unschaubaren und Unnahbaren hat sichbei gewissen Heiligthümern durch die ganze Zeit ihrer Existenz erhalten, und wenn auchspäter eine mildere Kultsitte wohl die Anschau der meisten heiligen Bilder vergönnte, soblieb hierfür doch die Bedingung der makellosen Reinheit wie das Geseh der Heiligungdes Leibes durch geweihtes Wasser für den Besuch des Tempels fortbestehen; ein Ge-seh welchem noch in Verbindung mit einer gewissen Lebensdiät selbst die Priester ineinem noch höher» Grade unterlagen, da sie die Sacra verrichten und die heiligstenDinge mit Händen berühren musten. Im Allgemeinen ist daher ein Kultbild ohne vonden bergenden Wänden einer Cella umschlossen zu sein, nicht zu denken und die Altenführen es als Beispiel zu dem Sprüchworte dümmer als ein Ein-
faltspinsel an, wenn Jemand den Einfall verwirklichen wollte so das Innere nach Außenzu kehren daß er das Kultbild anstatt innerhalb des Tempelhauses beim Eingängedesselben im freien Raume aufstellen wollte^,»).
Was daher die gottesdienstliche Bedeutung und rituelle Benutzung der Cellaanbetrifft, so betritt der ältere Hellene den allerheiligsten und durch die Würde seinerKunst ausgestatteten Raum 46) nur mit der höchsten religiösen Scheu; denn seinemBewustsein nach ist derselbe von der unsichtbaren Gegenwart und der Majestät derGottheit ganz erfüllt, ihr Numen verweilt hier 4') und durchdringt in gleicher Weisealle Gegenstände die sich in ihm befinden wie jeden Lebenden der ihn betritt 46). Indemaber die Gottheit als das reinste Wesen.selbst, auch nur den reinen Menschen zu ihremSitze zuläßt, dem Beflekkten dagegen sich unnahbar machen will und jede Gemeinschaft