Band 
Erstes Buch.
Seite
178
JPEG-Download
 

178

der ewigen Flamme blikkt auch durch jene charakteristische Art und Weise ihrer Er-neuerung hindurch welche dieBöoter im Tempel der Athena Jtonia täglich, und sicher nurdeshalb unternahmen um die von der Gottheit getödcete Schwester und Priesterin Jodama(die weiter nichts zu sein scheint als ein Epitheton der Athena gleich der Agraulos) fürnicht gestorben zu erklären; denn sie riefen bei entzündeter Flamme drei Mal:Jodamalebt und verlangt Feuer" 202), was nur so viel ist als Jodama ist nicht gestorbenund verlangt deshalb Feuer. Hält man diese Sage so fest wie sie PausaniaS giebt,daß Jodama des Nachts in den Tempel gegangen und hier durch das Gorgoneionder Athena die ihr (also erzürnt) erschien, versteinert worden sei, so konnte man darineine Strafe für die Entweihung des Heiligthums erblikken deren sich Jodama als Prie-sterin durch verschuldete Erlöschung des ewigen Feuers zuzog, wodurch der Abschiedder Athena herbeigeführt werden muste. Daß man umgekehrt die wiedererscheinendenOlympischen Götter durch Entzündung und Erneuerung des heiligen Feuers begrüßteja sie sogar erwekkte, bezeugen die Worte des Porphyrius^) indem er sagt:wirbegrüßen die himmlischen Götter wenn sie erscheinen durch Verbrennung von Opfern, undmachen ihnen die Ehren durch daö Feuer unsterblich, aus welchem Grunde das unsterb-liche Feuer (oder, daö Feuer als unsterbliches: r-ö «S^crrov) als ihnen am änlichsten,von uns in den Tempeln der Götter aufbewahrt oder bewacht wird"; an einer andernStelle desselben aber heißt es vom heiligen Feuer der Ägypter:dieses zeigen sie in demTempel, wie auch jeht noch die Eröffnung des Festes des heiligen Sarapis durch Feuer undWasser vor sich geht, indem der Hymnode das Feuer zeigt und das Wasser spendet wenner am Wege stehend in Ägyptischer Sprache den Gott erwekkt"^); daher in ganzHellas und Rom die Götter bei heiligem Feuer erwekkt und herbeigerufen werden, ihr Kultdurch Anzündung desselben begonnen wird. In Rom wurde am ersten Januar der Tempeldes Janus erleuchtet 20^-»); «ach Plutarch riefen die Böotischen Weiber und die Argiverden Dionysos unter Trompetenschall und Fakkelschein herauf^-) und noch Catull ^) weißdaß die Delphier den erscheinenden Dionysos mit brennenden Altären begrüßten; auch aufdem Dresdner Bildwerke wird die Erscheinung des Dionysos im Delphischen Adyton durchdieConsecratio des Bakchos oderPhanoö, in welchen dürre Rebschnitte als uraltes Mate-rial der Fakkel eingestekkt und mit Tänien umwunden werden, angedeutet^,-»); änlicherCerimonien zur Wiederbelebung und Wiedergeburt des Osiris wie des Dionysos bei Aegyptern und Hellenen erwähnt Plutarch 207 ), am Feste H eroiS aber, an dem dieAnagoge oder Hervorrufung der Semele zu Delphi gefeiert wurdet,-»), mögen ver-wandte Bräuche der Fakkelentzündung vorgegangen sein. Bemerkenöwerth und ganzauf ein gleiches Verhältniß wie in Athen zwischen Athena Agraulos und Hermes Psy-chopompos, also auf Todtendienst hinweisend, ist es übrigens daß in dem vorhin er-wähnten Heiligthume der Athena Jtonia eben so ein Bild des Hades geweiht war

»