Umsteuerungen mit variabler Expansion.
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ist. Man ersieht also, die Dampfmaschinen einer Locomotive sindbei der Gegendampfwirkung nicht mehr als Kraftmaschinen, son-dern als »Luftpumpen« thätig; sie werden betrieben durch dieArbeit, welche in Form von lebendiger Kraft im bewegten Trainenthalten ist, und in jedem Cylinder wird bei jedem Kolbenschubefast eine ganze Cylinderfiillung atmosphärischer Luft angesaugt,comprimirt und in den Kessel gedrückt; bei jeder Umdrehung derTriebräder einer Locomotive werden demnach auch vier Cylinder-füllungen Luft in den Dampfkessel eintreten.
Es begreift sich demnach leicht, dass die Gegendampfwirkungbei Locomotiven eine sehr rasche Steigerung des Kesseldruckes zurFolge hat; das aber ist weniger der Grund, weswegen mau bisherdie Gegendampfwirkung nur in ausserordentlichen Fällen zumraschen Anhalten des Trains verwendet hat; es zeigt sich hierbeinoch ein anderer weit bedeutenderer Uebelstand. Bei Locomotivenmündet nämlich der Dampfaustrittskanal nicht direct ins Freie,sondern steht durch das Blasrohr mit dem Innern der Bauchkammerin Yerbindung. Bei der saugenden Wirkung werden sich nun hierdie Cylinder nicht mit reiner Luft, sondern mit den Verbrennungs-gasen aus der Rauchkammer füllen, die nicht nur eine sehr hoheTemperatur von 400°, 500° und mehr haben, sondern die auchnoch grosse Mengen von unverbrannten Theilen des Brennmaterialsmit sich führen. Man übersieht daher, welchen nachtheiligen Ein-fluss die Manipulation des Gegendampfgebens auf Maschine undKessel einer Locomotive haben wird. Nichtsdestoweniger hattendie Ingenieure immer Grund genug, zu bedauern, dass dem Loco-motivführer versagt sein sollte, dieses einfache und kräftige Mitteldes Bremsens von Eisenbahnzügen zu benutzen, um so mehr, alsdas Retardiren durch Reibungsbremsen auch theoretisch als einhöchst unvollkommenes Mittel angesehen werden muss , denn hier-bei wird die ganze lebendige Kraft des Trains, welche der Ge-schwindigkeitsabnahme entspricht, gänzlich vernichtet.
Unter solchen Umständen ist es nicht auffallend, wenn derVorschlag von Lechatelier rasch grosse Verbreitung und Anwen-dung fand. Nach diesem Vorschläge sperrt man beim Reversirendas Blasrohr ab und verbindet den Austrittskanal durch ein Zweig-i;ohr mit dem Dampf- und Wasserraum des Kessels und lässt soBeim Saugen des Kolbens kleine regulirbare Mengen von Dampfund Wasser statt der Luft oder der Feuergase in den Cylinder