Band 
Zweyter Theil.
Seite
217
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Geschichte der Analyst« de« Unendlichen. 217

habt, ohne sich, wie Newton, unter Dunkelheiten zuverstecken?

Es ist also nach diesen drey Actenstücken ausge-macht gewiß, daß wenn Newton, wie man aus sei-nem Briefe vom io. December 1672 darthun will,die Flu.rionenmethode zuerst erfunden hat, Leibniß sieebenfalls seiner SeitS, und ohne etwas von seinemNebenbuhler zu entlehnen, erfunden hat. Diese bey-den großen Männer sind durch ihr Genie, auf ver-schiedenen Wegen, zu einerley Entdeckung gelangt;der eine, indem er die Fluxionen als bloße Verhält-nisse der Größen, welche in einerley kleinem Zeitthcileentstehen oder verschwinden, ansah; der andre, indemer betrachtete, daß in einer Folge von Größen, diewachsen oder abnehmen, der Unterschied zwi-sehen zwey auf einander folgenden Gliedern unendlichklein werden kann, das heißt, kleiner als jede endlicheGröße, die sich angeben läßt.

Diese Meynung, welche heutiges TageS allge-mein, ausgenommen in England, angenommen ist,war selbst Newtons eigne, als er zum erstenmal seinemathematischen Principien herausgab, wie das an-geführte Scholium zeigt. Die Wahrheit war damalsleicht zu finden, und die Leidenschaften hatten sie nochnicht verfälscht. Vergebens hat Newton in der Folge,durch die Schmeicheley seiner Schüler und LandSleukehingerissen, seine Sprache verändert; vergebens hater behauptet, daß der Ruhm einer Entdeckung gänz-lich dem ersten Erfinder gebühre, und daß die zweytenErfinder zur Theilnahme nicht zugelassen werden muß-