Vorrede.
Die Cohäsionslehren sind noch nicht selbstständig behandelt,sondern in einer Menge einzelner Abhandlungen zerstreut. DieThatsachen fest zu stellen, systematisch zu ordnen, die Lücken soviel möglich durch eigne Untersuchungen auszufüllen, die Gesetzezu entwicklen und der Cohäsion eine Stelle neben den übrigenHaupttheilen der Physik, z. B. der Optik, der Elektricität, zu ver-schaffen, war das Ziel, das ich bei der Abfassung dieser Schriftvor Augen hatte. Diesem suchte ich mich auch auf folgende Weisezu nähern.
Erstlich durch eine möglichst vollständige Mittheilung desThatsächlichen. Diese Vollständigkeit besteht jedoch nicht in einerAufzählung aller Beobachtungen. Was schon durch ein Gesetzzusammengefaßt war, betrachtete ich als eine Thatsache. Wennz. B. die allgemeine Gravitation zur Cohäsion gehört hätte, sowürde ich bloß die newtonschen Gesetze mitgetheilt haben; auf dieModifikation aber, welche sie bei den Kometen oder bei dem Falleder Körper auf der Erde erleidet, nicht eingegangen sein. Dage-gen habe ich alle von einander unabhängigen Beobachtungen, wennsie einiges Licht über die Cohäsion verbreiten konnten, angeführt.
Zweitens habe ich über alle Cohäsions - Erscheinun-gen, die einer quantitativen Bestimmung fähig waren, dieZahlenwerthe mit aller Sorgfalt berechnet. Die Tabellenin den Handbüchern rühren ursprünglich von den mittlern Wer-then her, welche die Beobachter selbst gegeben haben, und die manzuweilen auf andre Einheiten reducirt, gewöhnlich aber auf eineunkritische Weise, oft aus sehr unlauteren Quellen compilirt hat.Jene mittleren Werthe selbst konnten, wenn man sie nach denMethoden der neueren Physik berechnete, berichtiget und durcheine passende Anordnung manches Resultat abgeleitet werden, dasden Beobachtern selbst entgangen war. Ich bin daher überall,wo meine Mittel ausreichten, zu den Originalangaben selbst zu-rückgegangen und habe diese nach den besten Formeln berechnet.Wenn ich mir auch nicht schmeicheln darf, alle Fehler vermiedenzu haben, so darf ich doch hoffen, daß ihre Anzahl geringer ist,als in den ältern, überdieß weit weniger vollständigen Tabellen.In der Cohärenz des Flüssigen beruht die Tabelle größtentheilsauf meinen eigenen Beobachtungen. Auch für sämmtliche natür-liche und künstliche Krystalle hatte ich die krystallogra-phische Charakteristik entworfen; aber durch den Raum, den ichnicht überschreiten durfte, beschränkt, war ich verhindert, sie ab-drucken zu lassen. Sie werden an einem andren Orte erscheinen.