Vorrede.
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Drittens suchte ich die Gesetze der Erscheinungen anzuge«ben. Wo man sich auf quantitativ genaue Angaben stützen kann,ist diese Aufgabe verhältnißmäßig leicht; wo man es nicht kann,da ist das Gebiet der Hypothesen. Ich habe es oft betreten. Diephysikalischen wie die historischen Thatsachen gewähren, wenn sieganz isolirt stehen, nur ein untergeordnetes Interesse; sie erlangendieses nur durch ihre Verbindung mit andren Erscheinungen, und die-ses Band giebt uns die Hypothese. Die Hypothesen, die ich indiesen Blättern ausgesprochen habe, sind jedoch nicht einzelne Ein-fälle, die unabhängig von einander stehen und fallen können; siegehen sämmtlich aus einer Grundansicht hervor, der sie näher oderferner stehen. Der Grad von Wahrscheinlichkeit ist daher auchsehr verschieden und kommt bald demjenigen nah, welcher sich beiden Gesetzen der Attraction oder der Zusammensetzung des weißenLichtes findet, bald sinkt sie zur bloßen Möglichkeit herab. Siesind jedoch sämmtlich einer quantitativ genauen Bestimmung fä-hig und können durch Beobachtungen leicht unterstützt oder wider-legt werden. Kein Physiker kann in Beziehung auf seine Hypo-thesen skeptischer sein als ich, und mit gleichem Vergnügen werdeich sie widerlegt oder bestätigt sehen, wenn dadurch die Wissen-schaft gewinnt.
Die Cohäsion ist daher hier auf eine Weise behandelt, welchevon der in den Handbüchern über andre Zweige der Physik üblichensehr abweicht. In diesen sucht man alle Theile gleichförmig zubehandeln; man will ein gewisses Quantum der bisherigen Un-tersuchungen geben, dessen absolute Größe zwar verschieden ist nachden Gesichtspuncten der Verfasser, dessen Verhältniß sich aber inverschiedenen Abschnitten nicht ändert. In diesem Sinne ist die-ses Buch höchst ungleichförmig bearbeitet. Grade denjenigen Ab-schnitten, mit denen man sich vielbeschäftigt hat, sind hiernur wenigeParagraphen gewidmet, z. B. der formellen Krystallographie, derSchwingung elastischer Körper, den vielartigen Modifikationen,welche die Cohärenz der Flüssigen in benetzten Gefäßen darbietet.Dagegen habe ich die bisher vernachlässigten Theile mit größererAufmerksamkeit behandelt. Wer Neues am Himmel entdecken will,der muß, wenn er keine besseren Werkzeuge hat als seine Vor-gänger, unbekannte Regionen durchsuchen. Schärfere Organe ste-hen mir nicht zu Gebote, so suche ich denn unbekanntere Erschei-nungen auf und oft findet man hier den Schlüssel zu denen, dieman genauer zu kennen glaubte. Den von mir ausführlicherbehandelten Theilen habe ich eine historische Skizze vorangeschicktund ihre Literatur ziemlich vollständig angegeben. In der Ge-schichte gebe ich nur die Hauptzüge der Entwicklung und in denCitaten, die ich alsdann, um Raum zu ersparen, an dem Endeder Abschnitte zusammengestellt habe, erlaube ich mir wohl ein