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Atomistik und Dynamik.
Wechselwirkung vor. Die Summe aller dieser Kräfte heißt Mo-le cular kraft. Ihre Wirkungssphäre erstreckt sich zwar über einegroße Anzahl von Theilchen; aber ihre Intensität nimmt mit derZunahme der Entfernung so schnell ab, daß sie in einem meßbare»Abstände gänzlich verschwindet. Diese letzte Eigenschaft hat die Ma-thematiker in den Stand gesetzt, die Erscheinungen, welche die Mo-lecuiarkrast hervorbringt, zu berechnen, obgleich man die Function,nach welcher sie wirkt, noch nicht kennt.
§. 6. Dieses sind die Hauptpuncte der Atomistik, zu denen ichin den folgenden Abschnitten noch einige Zusätze machen werde.Eine eigenthümliche Rolle spielt die Atmosphäre, oder der Wär-me st off, den man gewöhnlich für dasselbe hält. Er ist der Trä-ger aller Erscheinungen im Körper, die auf einer Annäherung oderEntfernung der Molekeln beruhen; dennoch hat er ein sehr gerin-ges oder gar kein Gewicht. Ihn für eine stetige Materie zu hal-ten, würde inconsequcnt sein. Er ist also ebenfalls ein Aggregatvon Theilchen; während aber sonst alle Theilchen sich anziehen, stoßendie der Wärme sich ab.
Man hat die, ihren Gesetzeu nach, unbekannte» Molecularkrästeauf die allgemeine Gravitation zurückführen wollen. Man hat fer-ner versucht Elektricität, Licht und Wärme auf ein Princip zu re-duciren. Beides ist mißlungen. Will man daher zu einer An-schauung der Naturkräfte sich ein Bild von den Wanderungen derAtome und ihren Atmossphären entwerfen, so ist man zu der An-nahme sehr verwickelter Hypothesen gezwungen.
Die Atomistik bietet also mehrere schwache Seiten dar. Manmuß sie aber nicht mit unhaltbaren Gründen angreifen, oder eineAnsicht, der so große Männer huldigen, für absurd erklären. Die-sen Fehler hat Uhde begangen, der in einem, manches schätzbareenthaltendem Buche, Versuch einer praktischen Entwick-lung der mechanischenKrystallisationsgesetze 1331, eineausführliche Widerlegung der Atomistik bekannt gemacht hat. Dirmeisten Einwendungen, die er machtchat man jedoch längst vorausgeseheuund zu beseitigen gesucht; freilich nicht immer auf eine genügendeWeise. Andere sind ganz unrichtig z. B. die angebliche Unmöglich-keit Spiegelung und Durchsichtigkeit auf atomistischem Wege zu erklä-ren. Eine Hypothese, die so ausgebildet ist, wie die Atomistik,ist wie eine Straße auf unwegsamen Gebiete. Sie kann fehlerhaft