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Elasticität der Gase.
§. 10. M n nimmt gewöhnlich an, daß diese Größen vondem Dasein der Atmosphäre und der Schwere abhängig sind, undbeweist die Formeln, indem man das Gas einer Flüssigkeit gleichsetzt, welche dasselbe specifische Gewicht hat, und durch ihre Schwereeinen gleichen Druck hervorbringt, wie das Gas durch seine Elasti-cität' Diese Vorstellung führt zwar auf Resultate, welche unterden Umständen, bei denen wir zu beobachten pflegen, richtig sind, alleinin ihren Grundsätzen ist sie falsch. Bei tropfbar flüssigen würde ineinem Raume, wo keine Schwere wirkt, gar kein Ausfluß stattfinden; die Gase dagegen würden auch dort ganz so ausströmen, wiean der Oberfläche der Erde.
§. 11. Bei den Gasen, die aus einer Oessnung in einerdünnen Wand strömen, sollte die Menge des in einer Secundeausflicßcndcu so groß sein, wie eine Säule, deren Basis der Oeff-nung gleich ist, und deren Höhe dem von dem Gase in einer Se-cunde zurückgelegten Raume. Aber wie es bei dem tropfbar flüssigeneine Vena contra cta giebt, so ist auch bei den Gasen die Mengedes ausfließcnden kleiner als oben angegeben ist, und beträgt nachverschiedenen Angaben nur zwischen 0,5 bis 0,7 der berechnetenMenge. Danbuisson, der mit Oeffnungen von 10-30Millimeternsehr genaue Versuche angestellt hat, findet im DurchschMtc 0,65.S chmidt, bei Oeffnungen von 0,6-1,4 im Durchmesser, nur 0,52was vermuthlich zu wenig ist. Die Messung ist schwierig, weil dasGas sehr schnell ausströmt und kleine Veränderungen in der Weiteder Oeffnung und in der Dicke der Wand einen bedeutenden Ein-fluß auf die Größe des Coefficienten haben.
Bei Wasserstoff, Kohlensäure und dem Gase ausSteinkohlen hat der Cöfficient beinahe dieselbe Größe, wie beider atmosphärischen Luft.
Die Ursache dieser Verminderung im Ausflusse ist also vonder Beschaffenheit der Gase wahrscheinlich unabhängig und bloßmechanisch. Sie scheint mir folgende zu sein: Die ausströmendenTheile haben zwar alle die §.9 angegebene Geschwindigkeit, aber ihreRichtungen convergiren, indem eine jede von der Oeffnung nach demInnern des Gefäßes gezogene Linie die Bahn eines Lusttheilchcnssein kann. Zerlegt man jede dieser Richtungen in zwei andere, per-pendiculär und parallel der Ebene der Wandöffnung, so werden diesesich gegenseitig aufheben; jene aber geben gehörig summirt die mitt-