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Die Lehre von der Cohäsion, umfassend die Elasticität der Gase, die Elasticität und Cohärenz der flüssigen und festen Körper und die Krystallkunde : nebst vielen neuen Tabellen über alle Theile der Cohäsionslehre, in's besondere über die Elasticität und die Festigkeit / von M.L. Frankenheim
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Diffusion, GrahamS Gesetz.

oder mehreren Millimetern Weite ist der Ausfluß so schnell, daßer vollendet ist, ehe die Gase eine Veränderung in ihrer Mischungerleiden können. Je enger aber die Röhre, desto merklicher wirdder Einfluß der Diffusion im Verhältniß zur aerodynamischen Be-wegung, und dauert noch fort, wenn auch die Kanäle so eng sind,daß die Ausströmung selbst ganz unmerklich geworden ist.

Farad ay, der ein Gas in eine Flasche mit eingeriebenem Glas-stöpsel brachte, oder den Gas-Recipienten von der atmosphärischenLust durch den capillären Raum zwischen zwei an einander geschlif-fener Glasplatten, oder durch Metallplatten, in denen feine Ritzenwaren, trennte, fand nach einiger Zeit einen Theil des Gases durchatmosphärische Luft ersetzt. Selbst zwischen dem sperrenden Queck-silber und dem Glase hatte sich die Luft oft eine Bah» zu öffnengewußt. Dasselbe ist der Fall, wenn die beiden Recipicntcn durchfeine Spalten im Glase, durch Papier und andere poröse Körpergetrennt sind. Je feiner und zahlreicher die Poren, desto mehrtreten die aerodynamischen Bewcguugen in den Hintergrund, unddesto deutlicher sprechen sich die Erscheinungen aus, welche auf derRepulsion zwischen den homogenen Theilen eines Gases beruhen.Bei den sehr feinen, nicht einmal durch das schärfste Mikrostop sicht-baren Poren in organischen Membranen, in sehr dünnem Kaut-schuck, gebranntem und dann mit Wasser behandeltem und getrockne-tem Gyps oder feiner, unglasurter, irdener Masse, verschwindet dieaerodynamische Kraft, d. h. das Streben der Gase in Masse und inFolge von Druck durchzudringcn, fast gänzlich, und es bleibt nurdie Diffusion übrig.

§. 27. Mit Blasen und später mit Gyps hat Grahameine schöne Reihe von Versuchen angestellt. Die verschiedenen Gasedrangen durch die Poren mit einer Geschwindigkeit, die der Quadratwur-zel ihres specifischen Gewichtes verkehrt proportional war, also mitdemselben Verhältnisse, welches sie beim Ausströmen durch weite Oeff-nungcn beobachten. Wenn z. B. Wasscrstoffgas und Kohlensäure durchden porösen Körper getrennt werden, so dringt der Wasserstoff fastfünf mal so schnell durch, als die Säure. Die Elasticität des Gasesnimmt daher in dem Recipienten, wo sich die Säure befindet, zu,während in dem andren Recipienten der Verlust an Gas durch denEintritt der Säure bei rveitem nicht ersetzt wird. Man beobachtetdie>es unter andern, wenn eine das Gas haltende Röhre unten