Buch 
Die Lehre von der Cohäsion, umfassend die Elasticität der Gase, die Elasticität und Cohärenz der flüssigen und festen Körper und die Krystallkunde : nebst vielen neuen Tabellen über alle Theile der Cohäsionslehre, in's besondere über die Elasticität und die Festigkeit / von M.L. Frankenheim
Entstehung
Seite
109
JPEG-Download
 

Benetzte Körper, Dunst.

t<)9

Hauptmasse des Dunstes. Wenn eine Luftblase in dem Wasser raschaufsteigt, so bleibt ste nicht immer an der Oberfläche schweben, son-dern reißt etwas Wasser mit sich fort und dieses vermengt sichmit dem eigentlichen Dunste, der aus einer Mischung der warmen,feuchten Luft über der Flüssigkeit mit der benachbarten kalten Lufthervorgegangen ist, und aus viel kleinern Kügelchen besteht, die mitder Lupe kaum selbstständig erkannt werden können, und wahrscheinlich oftganz mikroskopisch sind. Der Dnnstchesteht daher aus zwei von einanderganz verschiedenen Stoffen: erstlich auS Blasen, die sich unmittelbaraus der Flüssigkeit bilden, eine Größe haben, wclcheder oben angegebe-nen ungefähr gleich ist und oft auf die Flüssigkeit zurückfallen. Zweitensaus vielen kleinen Kügelchen, die man für Blasen zu haltenkeine auf Beobachtungen beruhende Ursache hat. Die letzten sind es,welche die Hauptmasse des Dunstes und des Nebels bilden undauf die man mit Unrecht die Eigenschaften übertragen hat, welchenur den Bläschen zukommen. Im Dunste der Wolken hat man keineBlasen unmittelbar beobachtet.

§. 79. Der einzige Einwand, den man gegen diese Ansichtmachen kann, ist die Stcigkraft des Dunstes in der Lust. Alleindiese ist nur scheinbar. Ueber warmen Flüssigkeiten ist beständigein aufsteigender Luftstrom, der den Dunst und andre leichte Kör-per mit sich fortreißt. Wo diese Bewegung aufhört, hört auch dasSteigen deS Dunstes auf und er fällt nieder. Man kann diesenVorgang am besten an dem Rauch erkennen, der aus den Feueressenaufsteigt. Obgleich er aus Theilen besteht, die 2 — 3mal schwerersind als Wasser, steigt er auf, so lange ihn die warme auS den Essensich erhebende Lust mit sich fortführt. Die Tendenz zu fallen, er-leidet bei so kleinen Körpern einen so großen Widerstand, daß sie,wie die Sonnenstäubchen zeigen, selbst bei ruhiger Luft nwr sehrlangsam sinken. Indessen da die Schwere beständig in derselbenRichtung wirkt, die zufälligen Bewegungen der Luft aber unregel-mäßig, so werden auch die Stäubchen und der Rauch sich endlichniederschlagen oder sich durch Adhäsion an feste Körper hän-gen. Der zweite Theil dieses Processes wird an dem Dunste: bloßdarum nicht wahrgenommen, weil er sich in Dampf verwandelt, aberin dem ersten zeigt er gar keine Verschiedenheit vom Rauche unddas Paradoxe, welches in ihrem Aufsteigen in der Luft besteht, fin-det bei diesem in noch höherem Maßstabe statt, als bei dem leich-