Prvsaphie und Temperatur.
13t
einer siedenden Flüssigkeit, deren Temperatur ebenfalls constant ist,und die Ursache ist auch in beiden Fällen dieselbe, nämlich die Ver-dampfung. Aber die Quantität von Wärme, welche dem Tropfenzugeführt wird, ist weit kleiner als die bei siedenden Flüssigkeiten.Hier ist die Berührungsfläche der festen und flüssigen Körper gegendie Masse des Flüssigen sehr beträchtlich, und es muß eine großeMenge Wassers sich in Dampf verwandle«, um die zugetreteneWärme ganz zu absorbiren. Der Tropfen dagegen berührt denfesten Körper nur in einer kleinen Fläche, von der dem unbedeck-ten Theile der Schale entstralende Wärme trifft den Tropfennur ein Theil, und dieser wird entweder von dessen spiegelndenOberfläche reflectirt, oder wenn er eindringt, geht er unabsor-birt hindurch. Nur ein kleiner Theil wird verschluckt und wie be-kannt, wird die Wärme von Körpern, durch welche sie geht, in hö-herer Temperatur in einem weit geringern Verhältnisse absorbirtals in niederer. Es bedarf also auch nur einer verhältnißmäßig ge-ringen Quantität Dampf, um die eingetretene Wärme wieder abzu-führen. In höherer Temperatur wird vermuthlich die Berührungs-fläche kleiner, und obgleich die Wärmequelle stärker fließt, gelangtdennoch nicht viel mehr Wärme in den Tropfen, der seine Tempe-ratur mit geringen Schwankungen beibehält. Auch kann es sehrwol sein, daß der Tropfen einige Grade über seinen Siedpuncterhitzt ist, ohne zu sieden, d. h. ohne daß der Dampf durch dieMasse des Tropfens aufsteigt.
Lichten berg und nach ihm mehrere andere, glaubten dieErscheinung durch eine Zersetzung des Tropfens erklären zu kön-nen. Aber durch Zersetzen entsteht eben so oft Wärme als Kalteund die Entweichung von Gasen würde eben so wenig im Standesein, die Tropfenform hervorzubringen, als die Elasticität der Däm-pfe die siedende Flüssigkeit zu Tropfen macht. Zersetzung ist zuwei-len vorhanden; aber sie ist nicht nothwendig, und alles, was dieTemperatur betrifft, läßt sich durch die kugelförmige Gestalt desTropfens vollkommen erklären. Diese Tropfen selbst aber sind inallen ihren Eigenschaften dem Wasser anf öligen Stoffen oder demQuecksilber so nahe verwandt, daß man bei beiden dieselbe Ursachevoraussetzen muß, nämlich eine Prosaphie, welche einen Berührungs-winkel herbeiführt, der kleiner ist, als SO".
§. 113. Die Prosaphie ist also sowohl nach dem leidenfrost-
A»