1«4
Cohärenz der Flüssigen, Aggregatzustände.
§. 158. Elastische Körper, die nach einer Richtung ausge-dehnt werden, ziehen sich in der darauf entgegengesetzten zusammen.Dasselbe ist zuweilen auch die Folge einer zwar nach allen Seiten,aber ungleichförmig wirkenden Spannung. Eine ähnliche Wirkungbringt die Adsorption in den Membranen und Fasern hervor. Beispiralförmig gewundenen Fasern, z. B. den genäßten Hanfseilen, istdie Verkürzung der Länge sehr stark und von dc la Hire genaubeobachtet. Etwas ähnliches, aber in einem geringeren Maßstabe,hat man bei vielen andren Körpern organischen Ursprunges wahr-genommen, die im vollständig feuchten Zustande zwar nicht immerkürzer sind, als im ganz trocknen, sich aber bei einer gewissen Stufevon Feuchtigkeit durch eine Vermehrung derselben zusammenziehen(Siehe unten §. 174.).
§. 15S. Die Menge des adsorbirten Wassers in den organischenStoffen ist groß genug, um nicht nur die Gestalt, sondern auch ihrephysischen Eigenschaften zu verändern. Sie beträgt bei dem Holze un-ter gewöhnlichen Umständen 0,15 bis 0,25, unter der Luftpumpebedeutend mehr, und wenn etwa einen Zoll große Stücke von Holzdurch Einsenken in Meerwaffer einem Drucke von 60—200 Atmo-sphären (was keinen beträchtliche» Unterschied in der Wirkung hervor-brachte) ausgesetzt wurden, so drang ungefähr 0,80 deS ursprünglichenGewichtes an Wasser hinein, und es ist nicht zu bezweifeln, daß wennman das Holz in sehr kleinen Spänen und luftleer in's Wasser ge-bracht hätte, die Adsorption noch viel größer geworden wäre. Einsolches Holz sinkt im Meerwasser unter. Daher kommen auch Schiffe,die in tiefem Wasser untergehen, nie wieder zum Vorschein, wäh-rend die in seichtem Wasser untergegangenen wieder heraufkommen,sobald die Bretter auseinander gehen.
Der wasserhaltige Zustand ist in den organischen Stoffen dernatürliche. In dem Leben des Thieres und der Pflanze sind siemit Feuchtigkeit gesättigt. Ein Theil des Wassers geht nach demTode gänzlich verloren; aber ein andrer Theil kann dem Körperoft genommen und wiedergegeben werden. Dieser wird dadurch ab-wechselnd hart und elastisch, oder wenn er wasserhaltig ist, weich undgeschmeidig. Die Wassermenge, welche organische Fasern, ohne einebleibende Veränderung zu erfahren, aufnehmen und wieder verlie-re» können, beträgt nach Chcvreuil 0,10 — 0,80 vom Gewichte dertrockne» Faser.