304 Krystallkunde.
bildung; dagegen scheinen nach den Familien folgende Unterschiedestatt zn finden.
1) Wo in einer Zone die Durchgänge rechtwinklig auf einan-der stehen, ist die Ausbildung normal.
2) Wo sie schiefwinklig auf einander stehen, ist sie abnorm.Hiervon machen unter den ausgebildeten Krystallen nur der Apo-phyllit und das Rothkupfererz eine Ausnahme. Dieses hat oktae-drische Durchgänge und eine normale Ausbildung. Jener rechtwink-lige Durchgänge und eine abnorme Ausbildung.
Verhältniß der Ausbildung zu der Lage der Durchgänge.
§. 4t. Die Ausbildung ist also innerhalb einer jeden Familie,wenn wir von den hemiedrischen Krystallen absehen, beinahe con-stant und ihre Unterschiede treten nur bei verschiedenen Familieneiner Klasse hervor. Aber selbst diese Unterschiede rühren nur vonunsrer Bezeichnungsweise her. Denn wenn man da, wo die Durch-gänge schicfwinklig sind, die Achsen statt rechtwinklig zu nehmen,perpendiculär auf den Durchgängen nimmt, und man setzt ineiner Zone
statt 011 01'1 010 001 (rechtwinklig)
010 001 011/ 011 (schiefwinklig)
so erlangt man
statt 031 051 071 053 021 (rechtwinklig)
021' 032' 01'3 04'1 031 (schieswinklig).
Die scheinbar abnorme Reihenfolge der Normalen wird alsoebenfalls normal. Krystalle von verschiedenen Grundverhältnissen,aber gleicher Ausbildung, gehören also nicht zn den Seltenheiten.Man darf, wo sich eine solche Aehnlichkeit bei den üblichen Bezeich-nungsweisen gefunden hat, nicht an eine innere Verwandtschaft,eine neue Art von Zsomorphie denken. Vielmehr haben, einigeUnterschiede ausgenommen, welche von den Verschiedenheiten derWinkel und der Hemiedrie herrühren, alle Krystalle aller Fa-milien dieselbe Ausbildung, sobald man von den Durch-gängen ausgeht. Man erkennt dieses am besten bei der oben (§.20.) angedeuteten Bezeichnungsweise, wo man die Normale durchPerpendikel bestimmt, welche auf die als Achsen genommenen Kan-ten der Grundform gefällt werden.