360
Krystallogenie.
wirken. Wenn sie luftdicht verschlossen war, so laßt man Lust zu-treten, oder man schüttelt die Auflösung so, haß sie mit bisher tro-ckenen Theilen in Berührung kommt, oder man wirft fremde Kör-ner hinein. Hier ist es nicht die Anwesenheit dieser Körper, ryelchedie Wirkung hervorbringt; denn wenn sie schon bei der Bildungder Auflösung in ihr lagen, so sind sie ganz ohne Einfluß; sondernein mit dem Acte des Hiueiuwerfens verbundener Umstand, vielleichtdie Benetzung; auch an eine, den Spitze» eigenthümliche Wirkungist hier so wenig zu denken, als bei dem ähnlichen, aber ihremCharakter nach verschiedenen Processe der Verspätung des Siedens(Cohäreuz der Flüssigen §. 130.). Aber diese Mittel bringen nurdann eine Wirkung hervor, wenn die Ueberschmxlzung weit vorge-rückt ist, geringe Grade werden durch Schütteln und Hineinwerfenfremder Körper nicht aufgehoben. Dagegen der ist kleinste Krystall schonhinreichend, auch ein Minimum überschüssigen Salzes an sich zuziehen, und der Mittelpuuct eine Krystallisation zu werden, die sichbald durch die gesammte Flüssigkeit verbreitet.
Bringr mau in eine Lösung, in der mehrere Salze übersättigtsind, verschiedene Krystalle, so bewirkt ein jeder Krystall nur diePräcipitativn des gleichartigen Stoffes.
§. 125. Auch hier wirkt die Krystalffationskraft bloß in un-mittelbarer Berührung. Wenn sie sich allmälig über die ganzeFlüssigkeit verbreitet, so rührt dieses nur von dem Wachsen drrKryftallnadeln her, die sämmtlich an dem hineingelegten Krystall,oder an wenigen, in Folge der Erschüttuug der Flüssigkeit zu Ccn-tralpnucten der Krystallisation gewordenen Orten gebildet sind.
Durch diese Ueberschmelzung wird auch die Bildung isolirterKrystalle möglich. Bei einer frei in einer Schale verdampfendenAuflösung, sollte sich der ganze Boden gleichförmig mit einer Salz-schicht bedecken, da sich die Bedingungen zur Krystallbildung überallvorfinden; dessen ungeachtet entstehen nur wenige Centralpuncte, wosich, je nach der Beschaffenheit des krystallisirenden Körpers undder Unterlage, bald einzelne Krystalle, bald an Individuen sehrreiche Krystallaggregate bilden. Beide dehnen sich aus, wenn dieFlüssigkeit verdampft; aber selten kommen sie, wenn der Proceß lang-sam von statten geht, in eine unmittelbare Berührung mit einander.Die Zwischenräume bleiben leer. Die Dendriten, in welche dieKrystalle sich zuweilen auf dem Objectenträger des Mikroskopes bil-