Beobachtungen, abnorme, amorphe Körper. 375
ständig behandelt, daß man ihnen späerhin nichts bedeutendeshat hinzufügen können.
§. 20. Die Glastropfen entstehen,, wenn man einen aneinem Stäbe hängenden Tropfen flüssigen Glases in Wasser odereine andre Flüssigkeit bringt. Der Tropfen, erstarret und en-digt sich in einem dünnen Schweife. Die Tropfen,, welche nichtgleich im Wasser zerbrechen, sind an ihrem Kopfe sehr. fest.. Mankann damit Nagel in starkes Holz schlagen, ohne daß er leidet;man kann ihn sogar zum Theil abschleifen, ohne daß der Zustanddes übrigen Theils verändert wird. Bricht man aber ein Stückvon dem Schweife ab, so zerfällt das Ganze in Staub.. DieserProceß ist in luftleerem wie in lichtvollem Raume; im Wasser wiein der Lust;., nur wird das Wasser zuweilen stark erschüttert, unddas Gefäß zerbrochen. Man hat den Kopf oder den Schweif inLeder, Leim, selbst in Gyps gebracht,, so daß die Theile nicht aus-einander fallen konnten;, aber die Erscheinung blieb unverändert; warder Schweif gebrochen, so zerfiel die Masse in Staub, sobald dasHinderniß entfernt war. Man kann aber auf diese Weise denGang des Zerbrechens deutlicher als in einem freien Raume beob-achten. Der Tropfen zerfällt nämlich zunächst in konische Schalen,deren Scheitel dem Schweife zugekehrt sind, und erst dann inStaub. Wird der Kopf so stark abgeschliffen, daß der Tropfenspringt, so ist die Convexität dem Körper zugekehrt. Man kannauch bloße GlaSfädcn, sogenannte Glaswürmer, die wol einenMeter lang sind,, durch schnelles Kühlen so spröde machen, daßsie, an einem Puncte gebrochen,, ganz in Staub zerfallen. Bei ih-nen zeigt sich dann ebenfalls die Trennung in trichterförmigenSchalen,, deren Convexität immer nach der Seite hin liegt, wo dasZerbrechen statt findet. Diese Spaltung ist also kein Educt, son-dern ein Product des Brechens»
Der Act des Zerbrechens ist in diesem Glase wie in erkalte-ten Harzschichten, die ebenfalls durch Abkühlung abnorm spröde ge-worden sind. Steckt man einen spitzen Körper hinein, oder zieht maneinen in die noch weiche Masse gesteckten heraus, so bilden sich vieleSprünge, die theils Radien-artig aus dem verletzten Puncte aus«gehn; theils sich so verästeln, daß die Wurzel des Stammes aufihn hinweist. Was man hier in der Fläche sieht, findet bei demTropfen im Raume statt.