Band 
Erster Band.
Seite
380
JPEG-Download
 

380

Geschichte der Parlamente hier geben zu müssen,weil dieser Gegenstand gewöhnlich aus einem sehr irri-gen Gesichtspunkte dargestellt wird, und gerade darineine der nächsten Veranlassungen der nachfolgenden Re-volution liegt, die übersehen zu werden pflegt. Es isthier nur von dem Werthe der Parlamente als Staats-körper die Rede; und in dieser Beziehung verdientensie in der That nicht die Achtung, die man ihnen inden jüngsten Zeiten wieder zu geben versuchte.

Es ist wahr, sie hatten sich öfters den — dem Volkenachtheiligen Edicten und Verordnungen widersetzt undschienen zuweilen Festigkeit zu zeigen. Das Parlamentzu Paris gewann den Rühm, die Zurücknahme derpragmatischen Sanction der Gallicanischcn Kirchcnfrei-hciten, welche 1438 von dem Clerus unter GenehmigungCarl's VII. gemacht wurde und den Päbsten so äußerstverhaßt war, selbst gegen Ludwig XI., der sie zurück-

*1 Das Concilium zu Basel hatte das Projekt der ?r->§ma-tiqne Sanction an Carl VII. geschickt, und dieser sie eingeführt.Einige der Artikel derselben, namentlich die zehnjährige Einberu-fung eines General-Conciliums, die Aufhebung der Annalen,die freie Wahl der Erzbischöfe, Aebte und anderer wähl-baren Beneficien, die der Pabst nicht ernennen dürfe, mißfie-len dem Römischen Hof. Ludwig XII. wollte sie zurückneh-men, um Plus II. gefällig zu seyn. Die Parlamente wider-setzten sich; und weil Ludwig später mit dem Pabste nicht Mehrzufrieden war, ließ er auch seine deßfalsige Ordonnanz nichtvollziehen. Die Päbste, Julius II. und Leo X.» verfolgten mitdem Bannstrahl die, welche jene ?r.rxmatiq»k> sanction in Aus-übung setzen wollten. Franz 1. bat um Aufhebung dieser Strafe,