330
der geringsten Unschicklichkeit, z. B. einer Trunkenheit,des Amts entsetzt wurden.
Schon durch diese Art der Ernennung der Areopa-giten von dem Gesetze erhielten sie eine Unabhängig-keit, welche unsern — von den Regierungen unmit-telbar ernannten Staatsbeamten, trotz allen Pragmatikenund Unabhängigkeitserklärungen, abgehet; aber sie wur-den es noch mehr dadurch, daß sie zu keinem anderenAmte, zu keiner höheren oder einträglichernStelle gelangen, nicht einmal die Bürgcrkrone (unsereOrden und Titel) erhalten konnten. Alle Mittel undWege zur Befriedigung des Ehrgeizes und der Gelb-sucht waren ihnen entzogen; ihr höchstes Ziel warerreicht, zede andere Laufbahn geschloffen. Die steteErneuerung des Areopags mittelst des jährlichen Zu-wachses von sechs oder neun ausgezeichneten Männernbewirkte auch noch einen andern, nicht genug beach-teten Vorzug vor unsern Collegien, dadurch, daßder Areopag zugleich die Erfahrung und dieVortheile dauernder Anwendung anerkann-ter, heilsamer Maximen mit den Fortschrit-ten der Cultur, der Wissenschaften und desGeistes der Zeit vereinigte. Kein gefährlicherKastengeist, keine Einseitigkeit in den Ansichten konntesich in dieses Collegium einnisten, weil seine Gliederin mancherlei Zweigen der Staatsverwal-tung Erfahrungen gesammelt, von den untern Stellenihre öffentliche Laufbahn begonnen hatten, schon beiJahren waren, und weit jährlich neue Glieder, und mitihnen neue Einsichten eintraten. Die Härte konnte sich