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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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Die Zerwürfnisse der verwandten Familie Montfort und Werdenberg, die ver-eint besonders unter einem Haupte ihm an Macht überlegen, ehr- und eroberungs-süchtig. wie er, seinen Plänen den kräftigsten Damm entgegengesetzt haben würden,konnten ihm nur erwünscht sein. Offen erklärte sich daher Rudolf für den Hugo vonWerdenberg und dessen Brnderskinder, um dadurch die immer mehr sich erhebende Machtder Montforte zu bekämpfen und niederzuhalten. Hierzu dienten ihm die Hilfe derWerdenberger und ihrer vielen Freunde, auch den Abt Berthold wußte er zurTheilnahme zu bewegen. Vereint zogen diese beiden für den Grafen Hugo von Wer-denberg gegen Graf Rudolf von Mvntfort und seine Brüder in das Feld, verheertennach damaliger Sitte die Montfortischen Besitzungen und rückten bis Feldkirch vor,welches sie jedoch vergebens belagerten (1270), wobei sie die Umgegend mit Ab-schneiden der Weinstocke, Fällen der Obstbäume rc. grausam verheerten und dieMontforte zwangen, von ihren feindlichen Angriffen auf die Werdenberger abzu-stehen. Dadurch erhielt Graf Rudolf für sich und seine Familie an Graf Hugo vonWerdenberg einen treuen und wackern Freund, der, so lange er lebte, mit seinenVasallen und Besitzungen ihm in allen seinen Angelegenheiten eifrig diente. DieMachtder Montforte aber wurde durch diese feindliche Stellung der Zweige dieser Familiegegen einander gebrochen und de'm Habsburger und seinen Nachkommen der Wegangebahnt, sich auf Kosten der Montforte in dieser Gegend immer mehr zu ver-größern. Dagegen fanden sich die sechs Brüder, welche die Montfortischen Herr-schaften besaßen, tief gekränkt, und der Grund zu feindseligen Gesinnungen gegendie Familie der Habsburger wurde gelegt, die sich bei jedem Anlasse durch feindseligeThaten äußerten, wie wir im Verlaufe der Geschichte sehen werden.

Graf Rudolf von Habsbnrg wurde (1273) durch die Wahl der deutschen Für-sten aus den Kaiserthron erhoben, und benutzte die ihm hierdurch zu Theil gewordeneMacht zur Vergrößerung seines Stammlandes. Als Abt Wilhelm von St. Gallen,einer der sechs Montfortischen Brüder, sich des Kaisers Absichten standhaft entgegen-setzte, wußte Kaiser Rudolf es dahin zu bringen, daß er auf die Klage, welcheeinige jüngere Mönche erhoben, abgesetzt (1287), in den Bann und die Reichsachtgethan, und statt seiner Conrad von Gundelfingen, Administrator in Kempten, zumAbte in St. Gallen ernannt wurde. Auch dieser Streit wurde mit den Waffen aus-gefochten, und Abt Wilhelm fand in seinen Brüdern, dem Bischof Friedrich vonChur, dem Grafen Hugo von Tettnang treue Helfer, dagegen Hugo von. Werden-berg die Sache des Kaisers verfocht. Bischof Friedrich versammelte im Winter desJahres 1288 zu Chur seine Kriegsvölker, an deren Spitze er mit dem Heinrich von

mächtigster Helfer und treuester Freund, wodurch Graf Rudolf in den Stand gesetzt wurde,seine übrigen Gegner mit Erfolg zu bekämpfen und seine großen Pläne weiter zu verfolgen.