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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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und dessen Stellvertreters ahmten der benachbarte Adel nach ^), so daß das Klostertief verschuldet, und eines nicht unbedeutenden Theils seiner Einkünfte und Güterberaubt wurde. Abt Rumo, dieser ewigen Fehde müde, so wie der Vorwürfe,welche die Schuld derselben seiner Schwäche beilegten, bearbeitet durch den damaligenDomprobst Friedrich zu Chur, dem Grafen von Montfort, legte den 4. Dezember1281 seine abteilische Würde nieder. Das Kapitel des Stiftes wählte noch indemselben Monate, wahrscheinlich nach schon zuvor getroffener Abrede, den WilhelmGrafen von Montfort 2). Die Persönlichkeit dieses Mannes, der in voller Blüthedeines Alters, Kraft mit Muth und Standhaftigkeit, Kenntniß der Geschäfte rc.vereinigte, so wie der Umstand, daß seine Familie immer noch die mächtigste undvielleicht die einzige war, die man in dieser Gegend einem Kaiser Rudolf und derum sich greifenden Gewalt der Habsburger entgegensetzen, der, wäre es änderstmöglich, dem Verfalle des Klosters begegnen konnte; mochten die Wähler, so wieeinen großen Theil der adeligen Vasallen des Klosters bestimmt haben, diese Wahlzu treffen, welcher die vielen heimlichen Feinde der Habsburger ihren Beifallgaben.

Schon diese, wo nicht offenbar feindselige, Loch jedenfalls zweideutigen Ge-sinnungen des Abtes Wilhelms gegen den Kaiser Rudolf, eine Folge des von letzternden Werdenbergern gegen die Mvntforte geleisteten Beistandes, mußten diese Wahldem Kaiser unangenehm machen. Hiezu kam, daß Abt Wilhelm, um seinem Klo-ster aufzuhelfen, sich und seinen Hofhält sehr einschränkte; die dadurch möglich ge-machten Ersparungen zur Bezahlung der von seinen Vorfahren gemachten Schulden,und Einlösung der verpfändeten Klostergüter, verwendete; und mit Liebe undStrenge die Kloster-Vasallen und Unterthanen zur Erfüllung ihrer Dienstpflichtengegen das Kloster anhielt, und sich einen großen Anhang unter dem Adel der Um-gegend verschaffte. Um diese seine Absicht, die Schulden des Klosters abzutragen,

>) Dieses, beweist eine Urkunde des Archivs zu St. Gallen vom 23. April 1280 zuRorschach, nach welcher Abt Rumo bekennt, der Gegenabt Ulrich von Güttiugen, welchersich für einen Abt zu St. Gallen gehalten habe, habe den edlen Hugo von Werdenberg,dem kaiserl. Landgraf, den Hof zu Butschwyl und das Städtchen Lichtensteig, erstern um500, letzteres um 60 Mark Silber verpfändet. Er wolle nun aus Liebe zum Friedendiese Verpfändung bestätigt haben.

2) Joh. Vadian behauptet, Abt Wilhelm habe die Regierung des Klosiers schon imI. 1279 übernommen, allein mit Unrecht, indem den 31. August 1281 Abt Rumo, seinVorfahrer, noch eine Urkunde ausstellt. Erst in einer Urkunde Walters von Sar, einesKonstanzer Klerikers, vom 5. März 1282, erscheint Wilhelm zum erstenmal als Abt zuSt. Gallen. Neugart H. E. E. l>. 1. t. il. Mspt. S. 374. Möglich, daß Wilhelmschon unter dem Abte Rumo die Angelegenheiten des Klosters ordnete und besorgte.