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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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so schwankte die Schaale, bis die Erwählung des Grafen Adolf von Nassau zurredeutschen Kaiser (1292) für den letztern entschied. Kaiser Adolf erkannte selbst nachseiner Erwählung in dem Herzog Albrecht seinen ersten und gefährlichsten Feind.Natürlich schloß er sich daher an dessen, und seines Hauses alten Gegner, gernean, so wie auch diese sich gerne mit dem Kaiser verbanden. Daher war Abt Wil-helm der natürliche -Anhänger und Bundesgenosse des Kaisers Adolfs, so wieletzterer des erstern gnädigster Kaiser und thätiger Gönner. Kaiser Adolf zog daherauch die Schirmvogtei des Klosters St. Gallen, welche die Habsburger vom AbtUlrich erhalten hatten, zu des Reichs- oder vielmehr seinen Handen, versprach demAbte 900 Mark Silber als Entschädigung für den Schaden, welchen Kaiser Ru-dolf dem Kloster zugefügt hatte, und überließ im I. 1299 dem Abt Wilhelm, alsUnterpfand für 1000 Mark Silber die Schirmvogtei selbst i). Aber auch HerzogAlbrecht von Oestreich, als er selbst nach der Kaiserkrone strebte, hielt den AbtWilhelm von solchem Ansehen und Gewicht, daß er sich mit demselben auszusöhnenund seine Freundschaft zu erhalten suchte. Er lud ihn daher nach Wien ein, undversprach ihm Schadenersatz für alles, was das Kloster unter seinem Vater erlittenhabe. Wilhelm ging nach Wien (1299), allein die Unterhandlungen hatten keinenweitern Erfolg, als daß man dieselbe weiter aussetzte. Später erfolgte der öffent-liche Bruch zwischen den beiden Nebenbuhlern, dem wirklichen Kaiser Adolf, unddem von einigen Fürsten zum Kaiser neugewählten Herzog Albrecht. Abt Wilhelmwar keinen Augenblick unentschlossen. Er entschied sich für den Kaiser Adolf gegenAlbrecht, und zwar auf seine gewohnte thatkräftige Weise, indem er allein von allengeistlichen Fürsten dem Kaiser Adolf 20 Ritter mit einer zahlreichen Mannschaftzu Hilfe schickte, und als der verhängnißvolle Augenblick, der in offener FeldschlachtLas Schicksal des deutschen Reichs, so wie der beiden Kronbewerber entscheidensollte, herbeigekommen zu sein schien, da zog Abt Wilhelm persönlich an der Spitzeeines ansehnlichen und Wohlbcwaffneten Reiterhaufens seinem Gönner und Freunde,dem Kaiser Adolf, zu Hilfe. In der Entscheidungsschlacht bei Gclnheim in derNähe von Worms (2. Juli 1298) focht Abt Wilhelm mit seinem Haufen, dem einEdler von Frauenbcrg das Banner von St. Gallen vortrug, so tapfer, daß, alsihre Pferde getödtet waren, sie den Kampf zu Fuß fortsetzten, und dann erst sichzurückzogen, als Wilhelm sich selbst von dem Tode des-Kaisers Adolfs überzeugthatte, und die übrigen Verbündeten geflohen waren. Auf dem Rückzüge wurdeAbt Wilhelm mit seinen Rittern von den Wormsern, welche bisher Freunde und

0 Eben so machte Kaiser Adolf den Abt Wilhelm zu seinem Rathe. Abt Wilhelmerwarb auch für das Kloster, die Feste Falkenstein im Aargau, so wie die Burg Alt-stetten im Rheingau.