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Theilungen ihrer Güter und die häufigen Fehden die sie gegen einander führten, ver-armt , wie wir dieses an den Montfortern gesehen. An diese wendete sich nun der K.Rudolf und dessen Söhne, und benutzten theils die Verlegenheit dieser Großen, theilsberedeten und nöthigten sie sdieelben, ihm und seinen Söhnen ihre Besitzungen zuverkaufen. Die Herrschaften Sigmaringen und Scheer waren dem Kaiser besonderswohl gelegen, da sie sich fast in der Mitte des östlichen Schwabens befanden, undbesonders die Feste Sigmaringen einen starken Anhaltspunkt darboten. Er tratdaher mit den Besitzern dieser beiden Herrschaften, den Grafen Hugo von.Montfort zuTettnang-Scheer, und den Grafen Hugo von Montfort-Bregenz in Unterhandlung,deren Ende war, daß Scheer und Sigmaringen an die Sohne K. Rudolfs, Albrechtund Rudolf verkauft wurden, mochte dieses auf nöthigendes Andringen der mächtigernHabsburger und gewissermaßen als ein Friedenspfand mit ihnen, oder aber auch deß-halb geschehen sein, weil den Montforten diese entfernten Nebenbesttzungen wo nichtlästig, doch von geringem Werthe waren, und sie dagegen lieber ihre Hauptbesitzungenvergrößern und abschließen wollten.
Nach den Urkunden (S. unten § 5) wurde der Verkauf der Herrschaft Sig-maringen im I. 1260 vollzogen, auch der Verkauf der Herrschaft Scheer dürfte umdiese Zeit geschehen sein, da Graf Hugo dieselbe noch laut einer Urkunde im Jahr1287 besaßt), n,ch dem I. 1290 aber Herzog Albrecht von Oesterreich in ihremBesitze ist. So verloren die beiden Grafen Hugo von Montfvrt-Tettnang und Hugovon Montfort-Bregenz die Besitzungen an der obern Donau, welche sie und ihreEltern etwa durch 100 I. inne gehabt hatten 2). Der Kaufpreis für Scheer ist unbe-kannt, da die dießfallsige Urkunde bis jetzt noch nicht aufgefunden wurde. GrafHugo verwendete denselben vorzüglich zum Ankauf neuer Besitzungen, welche an seineHerrschaft Tettnang anstießen. Die vorzüglichsten derselben waren die HerrschaftLangenargen und das Schloß Sumerau mit Zugehörden. Erstere gehörte dem Chor-stift zu St. Johann in Konstanz, welches dasselbe vielleicht durch den Bischof Gebhardeinem geborenen Grafen von Bregenz, erhalten hatte. Wenigstens gehörte Langen-argen in das Gebiet der alten Grafen des Linzgaus, von welchem Gebhard als Gr.zu Bregenz, abstammte.
Der Kauf geschah schon vor dem I. 1290 um 360 Mrk. Silber, und begriffdas Dorf Argen, mit Leuten und allen Rechten, Ehehaften und Zugehörden.
1) S. Memmingers Jahrb. Jahrg. 1825 II. Heft S. 427.
2) Fast alle schwäbischen auch neuere Schriftsteller, die dieses Verkaufs erwähnen, stellenihn so dar als wenn ein und derselbe Hugo beide Herrschaften an Oesterreich verkauft hätteda es doch nach dieser Darstellung und den Urkunden zwei Hugo, Oheim und Neffe, jederfür sich diesen Verkauf abschloßen.
2) v. Memminger in der O. A. Beschreibung von Tettnang nimmt zwar an, daß