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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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durch ihren Gemeinsin» , durch ihre Gewerbe, besonders aber durch den Handel,welcher um diese Zeit stark betrieben wurde, da die Hauptstraßen aus Italien, be-sonders Venedig (damals der Hauptstapelplatz der Waaren, welche aus dem Orientnach Europa gebracht wurden) durch Oberschwaben führten,, reich und mächtigwurden. Diesen Reichthum verwendeten die einzelnen Bürger, welche zum Theilselbst dem niedern Adel angehörten, zum Erwerb von liegenden Gütern und Herr-schaften, die, wie immer, feil wurden. Das nämliche thaten die Stadtgemeindenselbst theils für sich, - theils zu frommen und wohlthätigen Stiftungen. So wie das11. bis 13. Jahrhundert sich durch Kloster - und Jahrlagsstiftungen auszeichnete,so waren es vorzüglich das 14. und 13. Jahrhundert, in welchem zwar wenigereKlöster (die Klöster der neuentstandenen Prediger- und Mendikantenorden ausgenom-men), desto zahlreicher aber Spitäler, Kranken - und Siechhänser, Leprosorien undArmenanstalten, sowie Meßpfrunden, besonders in den Städten, gestiftet wurden.Fast in ganz Oberschwaben ist kein Städtchen oder Flecken, der nicht eine odermehrere derartige Stiftungen auszuweisen hätte, welche meistens aus dieser Zeit.herrührten. Aber auch die alten Klöster, besonders die reichlicher dotirten Abteien,benutzten diese Zeitverbältnisse, um ihren Grundbesitz zu vergrößern, indem sie baldeinzelne Höfe und Güter, bald ganze Ortschaften mit den Vogt- und andern Rech-ten erwarben. Besonders waren es die Klöster Weingarten, Ochsenhausen, Weis-senau und Jsni, welche in diesen Gegenden die meisten Erwerbungen machten. Ihrgeordneter Haushält, ihre Sparsamkeit und besonders das Entfernthalten von denFehden, welche auszuftchten sie ihren Schirmvögten, und überhaupt als Männerdes Friedens den kriegerisch gesinnten Städten und Adel überließen, selbst geschütztdurch den Schein der Heiligkeit, der sie umgab und die geistlichen Waffen, die Kir-chenstrafen, die ihnen zu Gebote standen und die sie selbst von Rom auszuwirkenvermochten. Dadurch erhielten sie die Mittel, bei dem Erwerb von größeren undkleineren Gütern selbst mit Fürsten und reichen Gemeinden zu wetteifern. Auffal-lend ist die Bereicherung dieser im Verhältniß kleinern Klöster im Gegensatz mit derVerarmung der einst so mächtigen und reichbegabten Bisthümer Chur und Konstanzund der so ansehnlichen Klöster St. Gallen und Reichenau, welche theils durch ihreStellung, theils durch ihre kriegerisch gesinnten Bischöfe und Aebte fast in alleFehden und Kriege dieser Zeit und Gegend verwickelt wurde», welche, fielen sie un-'glücklich aus, die Verwüstung ihrer Stistsländer, den Verlust einzelner Besitzungenund oft ihre gänzliche Verarmung herbeiführten.

Ungeachtet dieser auch für den Gr. Heinrich von Montfort-Tettnang so un-günstigen Verhältnissen, welche auf ihn desto lästiger zurückfallen mußten, da durchdie Theilung der Besitzungen seines Vaters ein bedeutender Theil derselben seinemBruder Wilhelm zugefallen war, so erhielt er doch nicht nur das Ererbte, sondern