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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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8 . 8 .

Fortsetzung.

Geschichte der Grasen von Mlontfort zu Tettnang.

(1334 1374.)

Nach dem Tode des Gr. Wilhelms theilten seine beiden hinterlassenen SohneWilhelm lll. und Heinrich IV. (Hugo VI. erscheint nicht mehr bei der Theilung) dieBesitzungen ihres Vaters. Wilhelm der ältere erhielt die Grafschaft Bregenz, Hein-rich der jüngere dagegen erhielt nach dem Theilbrief, gefertigt am Aftermontag vordem Auffahrtstage 1334^), Rothenfels, die Burg, Leut und Gut, Winkelberg,den Kirchensatz zu Müssen und Makelmoos, Argen, die Burg, Tettnang, Burg,Stadt und Kirchensatz dasilbst, Nebenan, die Burg, den Kirchensatz zu Grünkraut,die Burg zu der Niedersumerau, die Vogtei des Gotteshauses zu Langcnau, denKirchensatz zu Wildboltschweiler und zu Gebretsschweiler, die Scheer, Burg undStadt, das Dinggau, der Kirchensatz zu Friedberg, zu Düngen (Hohenthengen),zu Herbrächtingen, 35 Mk. Silber (die Hälfte) von der Steuer zu Mengen, Lan-dau, die Burg und das Dorf zu Ertingen. Die Mannlehm, das Wild - und Fe-derspiel sollte beiden Brudern ung°theilt angehören.

Heinrich hielt sich in seiner Jugend einige Zeit in Italien auf und nahm nachFilippo Vilani an den florentinischen Fehden Antheil, erwarb sich aber hierbei einenzweideutigen Ruf, besonders klagte man über seinen Stolz und seine Eitelkeit (sto-Ziutlo -Zigrgncto^a). Die Italiener nannten ihn auch Merino (Kastrat) 2).

Nach der Uebernahme der Regierung trat Heinrich in die Fußstapfen seines Va-ters, indem er sich an den Kaiser Karl IV. anschloß, so viel an ihm lag, den Frie-den zu erhalten und jede Gelegenheit zu benutzen suchte, seine Besitzungen zu vergrö-ßern. Doch waren ihm die Zeitverhältnisse minder günstig, indem auf der einenSeite der Schweizerbund immer mächtiger wurde und sich der östreich. so wie desAdels Besitzungen auf dem linken Rheinufer und selbst eines Theils der Altmontfor-tischen Güter, Werdenberg, Sargans, des Rheinthales bemächtigte, andererseitsOestreich die in Folge der vielen Fehden eingetretene Verarmung und das Aussterbeneinzelner Familien des Adels benutzte, um auf dem rechten Rheinufer in Graubündenund Oberschwaben seine Besitzungen zu vergrößern. Hierzu kam, daß die Städte

') S. Anhang Nr. 381.

2) S. Joh. von Müller, Geschichte der Eidgenossen, 2. B-, 5. Hptst-, S. 252.