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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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solle, zwei Drittel der Stadt, ein Drittel aber dem Grafen gehören, der Zollertragaber ganz zum Besten der Stadtgemeinde verwendet werde.

Dieser ruhige, friedliche Geist bezeichnete aber auch das ganze Wirken und Lebe«des Gr. Ulrichs. Mit seinem Bruder Hugo verglich er sich friedlich über den Bezugeiniger Zehnten und Gülten (1458). Zwischen dem Kloster Langenau und Gr. Ulrichwaren Mißhelligkeiten entstanden wegen Ausübung der Lehen - und Vogtrechte. Gr.Ulrich überließ (1467) die Entscheidung einem Kompromißgerichte, welches ausseinem Bruder, Gr. Hugo von Rothenfels, Marguard von Schellenberg, HeinrichLocher, Lehrer der Rechte, von Sumerau zu Praßbcrg lind Burkard von Frehburg,genannt zu Boch, Vogt zu Argen, bestand. Auch wegen der Herrschaft Achbergerhoben sich Anstünde. Diese besaßen damals die Herren von Königseck. Die Gr.von Montfort sprachen aber die Jagd- und Hoheitsrechte (die höhere Gerichtsbarkeit)an. Gr. Ulrich suchte diese seine Rechte zu wahren, verglich sich aber mit dem da-maligen Inhaber, dem Freih. Hans von Königsek, im I. 1456 dahin, daß dieserversprach, in Dienste und Schutz des Gr. Ulrich, jedoch widerruflich, zu treten.

Durch dieses sein Benehmen stieg sein persönliches Ansehen so sehr, daß imJahre 1459 der Gesammtadel der Umgegend sich zu Tettnang versammelte, um sichmit einander unter seiner Leitung näher zu verbinden und durch ihn ihre Privatstrei-tigkeiten und Fehden ausgleichen zu lassen. Bei dieser Zusammenkunft scheint deroberschwäbische Adel ihn zum Hauptmaun ihrer Gesellschaft und ihres Vereines (St.Georgenschild) erwählt zu haben, da er in dieser Eigenschaft mit 40 Pferden und8 Zelten sich dem Kaiser Friedrich auf dessen Zug (1462) gegen den Herzog Al-brecht von Baiern anschloß. Eben diesen Kaiser begleitete er mit seinem BruderHugo und dem Gr. Hugo von Werdenberg nach Trier (1473), sowie ihn KaiserMar 1. (1477) mit 50 Pferden gegen Frankreich in Dienst nahm. Als zum Be-schlusse der Feierlichkeiten, welche bei der Zusammenkunft des Kaisers Friedrich mitdem Herzog Karl von Vurgnnd zu Trier (1473) statt fanden, ein großes Essengehalten wurde, erhielten die beiden Gr. Ulrich und Hugo von Montfort ihren Platzan dem Nebeutische auf der Seite mit dem Bischof von Eichstädt, dem Markgrafenvon Baden, dem Gesandten des Churfürsten von Brandenburg und andern Edlen ^).Dabei waren die ökonomischen Verhältnisse des Gr. Ulrichs geordnet, wie er imI. 1463 das Schloß Ebersberg von Heinrich von Stein und dessen Gattin Osannavon Ebersberg um 2100 Fl. erkaufte^), dasselbe aber wieder im I. 1468 demKloster Weißenau überließ, und selbst einen Theil von Bregenz und Trauchburg alsPfand an sich brachte, wie es aus einer Urkunde von 1489 hervorgeht, nach wel-

>) Lichnowsky, V». Bd. S. 144.

») Bedeut, über die Gr. von Montfort. Mancher.