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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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Sein Bruder, Gr. Anton, blieb in Tettnang, woselbst er ledig den 23. No-vember 1787 starb und begraben wurde.

So starb eines der ersten schwäb. adeligen Häuser aus, nachdem diese Familieden Stürmen der Zeit und den oft ungünstigen äußern Verhältnissen trotzend, durch600 Jahre in Schwaben geblüht hatte, deren Ursprung sich in das Dunkel derVorzeit verliert und die in ihrer Glanzperiode sich fast allen dermalen in Deutschlandregierenden fürstl. Häusern kühn an die Seite stellen konnte. Die früheren Zer-würfnisse und häufigen Fehden mit dem stammverwandten Gr. von WerdenbergischenHause sowie mit der schnell heranwachsenden Machr des Oestreich.-HabsburgischenHauses, die Lage seiner Besitzungen, die häufigen Erbstheilunge.n in der Familieselbst, der 30jährige Krieg mit seinen Folgen führten nach und nach den Verfalldieser edlen Familie herbei, welchen Mangel an Sparsamkeit und eines geordnetenHaushaltes unter den drei vorletzten Grafen vollendeten. Um so bedaurungswürdi-ger erscheint das Loos und endliche Schicksal des letzten Gr. Fr. Laver und seinesBruders Anton, als es ein von ihnen unverschuldetes war und fie nur das vonihren Vorfahren herbeigeführte UnglizF büßten. Daher auch die Theilnahme unddas wohlverdiente Mitleiden, welches sie fanden. . Ja, um den tragischen EffektihreS endlichen Schicksals zu steigern, ließ man beide in größter Dürftigkeit, selbstvon dem Nöthigsten entblößt, von allen Menschen verlassen, erstern (den Gr. Xaver)zu Mariabronn in einem Hinterstübchen des Kaplaneihauses, letztern (den Gr. An-ton) in ähnlicher Lage zu Tettnang sterben. Dem ist aber nicht so. Graf Fr.Xaver bezog seine Sustentationsgelder von 3000 Fl. und später 6000 Fl. richtig,welche ihn vor eigentlichem Mangel schützten, letzterer Gr. Anton besaß bei seinemTode selbst noch einiges Vermögen, zu dessen Erben er in seinem den 24. November1787 errichteten Testamente die Armeü Tettnangs einsetzte. Diese erhieltennach Abzug mehrerer Legate, Bezahlung aller Kosten rc. noch die Summe von13,999 Fl. 27 Kr., welche dermalen noch den Grundstock der sog. MontfortischenArmenstistung in Tettnang bilden ^).

Dieses ist die kurze Geschichte der grast, von Montfortischen Familie, welcheich getreu nach den mir zu Gebote stehenden Quellen aus bewährten Chroniken,Archival - und andern Urkunden zusammengestellt und niedergeschrieben habe. Mögeder Leser in derselben einen Zeit- und Sittenspiegel sowie einen kleinen Beitrag zuunserer vaterländischen Geschichte finden.

H Nach obigem Vertrag vom 14. Aug. 177g verblieben überdies den zwei Grafen alleMobilien, Gemälde u. s. w., welche sich in den drei Montfortischen Schlössern befanden, auchbehielt Gr. Anton den ihm von seiner Großmutter Anna, Gr. v. Thun, vermachten Oberhof.