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Nun folgt in dieser Urkunde die Erklärung Oestreichs, »ach welcher dasselbealle obigen Vorschläge und Wünsche annimmt, dem Majoratsherrn, dem Gr. Fr.Xaver, jährlich in Quartalsraten 6000 Fl., seinem Bruder, Gr. Anton, zu derbisher bezogenen Appanage von 1800 Fl. noch jährlich weitere 500 Fl. so langesein Bruder lebt, nach dessen Tode aber 6000 Fl., der Frau des Er. Fr. Xavernach des letzter» Tode und so lange sie Wittwe bleibt 3000 Fl. sammt der Nieder-lage mit 250 Fl. und einem Hauszins von 200 Fl. zu bezahlen verspricht, eben so,wenn lehensfähige männliche Erben noch geboren werden sollten, sollten dieselbenund ihre männlichen Nachkommen eine Leibrente von jährlich 6000 Fl. beziehen.Dagegen übernimmt Oestreich alle Schulden, welche auf den Herrschaften ruhen,jedoch behält es sich vor, hierüber mit den Gläubigern ein Arrangement zu treffen.
Bei dieser Uebereinkunft blieb es auch. Nachdem Oestreich die Schuldner miteiner Summe von 300,000 Fl. abgefertigt hatte, trat es am 22. August 1780förmlich und feierlich den Besitz der Graf- und Herrschaften des Hauses Mont-fort an i).
Gr. Xaver erlebte diese für ihn gewiA traurige Feierlichkeit nicht mehr. Erhatte sich nach Mariabronn in das von seinem Vater (1752) erbaute schöne Kapla-neihaus zurückgezogen, woselbst er den 21. März 1780 starb und in die Kirchedaselbst begraben wurde. Er hinterließ keine Kinder2).
Nach dem Pfarrbuche zu Tettnang unter dem Titel: kes Memoriales ksroeliiseüe sua. 1753—1784 kam im Nov. 1776 eine kais. Commission nach Tettnang, um denSchuldenstand zu untersuchen und zu ordnen. Gr. Xaver reiste mit seiner Gattin undHaushalt nach Straßburg, von da kehrte j778 der Graf allein nach Mariabronn zurück,woselbst er seinen Wohnsitz im Kaplaneihause aufschlug. Der Vertrag und Verkauf derMontfortischen Herrschaften zwischen Oestreich und den Gr. von Montfort wurde gegenNachzahlung von 300,000 Fl. im Aug. 1779 abgeschlossen, obige Summe den 4—18. Aug.1780 baar an die Gläubiger bezahlt, von welchen die Stiftungen und privilegirten Gläu-biger statt eines Gulden 36 Kreuzer, die Privaten aber 24 Kreuzer erhielten. Den 18 Aug.1780 übergab der kaiserl. Kommissar, Frh. v. Hebenstreit, bischöfl, Konst. Hofkanzler, dieHerrschaften auf feierliche Weise an den östreich. Commiffär, Freih. von Mayer.
2) Gr. Fr. Xaver war dreimal vermählt, das erstemal mit Josepha, geb. Gräfin v. Kö-nigseck-Aulendorf, welche ihm den 24. Juli 1753 eine Tochter, Josepha, gebar und an derGeburt starb. Obige Josepha wurde Stiftsdame zu Deren und starb den 19. April 1773. —Mit der zweiten Gemahlin, der Sophia, Gräfin v. Limburg-Styrum, wurde Gr. Fr. Xaverden 1. Dez. 1759 zu Bartenstein getraut, welche ihm den 31. Dez. 1760 einen Sohn, Hugo,gebar, der aber schon den 3. Mai 1761 starb. Die Mutter, Gr. Sophia, geb. v. Limburg«Styrum, starb den 15, Nov. 1769 und Gr. Fr. Xaver vermählt sich zum drittenmal im Okto-ber 1772 zu Heidelberg mit Elisabeth Auguste, eine Gräfin v. Schall, mit welcher er keineKinder erzeugte und die ihn überlebte.