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von Schellenberg ihre Lehensleute »nd Unterthanen, griffen den Bischof bei Balzersin einer für letzter» nngünstigen Stellung an, »ahmen ihn »nd den edlen Heinrichvon Grießenberg gefangen und führten ihn auf das Schloß Werdenberg, wo er bisan dessen Tod (3. Juni) in strengem Gewahrsam verblieb. Dadurch war die Machtder Montforter und der übrigen Feinde des Kaisers in dieser Gegend gebrochen.Abt Wilhelm von St. Gallen, zu schwach zum Widerstands, war nach Sigmarin-gen (1289) geflohen. Ehe dieser Krieg zum vollen Ausbruch kam, scheint derAbt die Freundschaft des Gr. Hugo nachgesucht zu haben. Wenigstens überläßt erihm (30. Seht. 1288) i) die Sonderleute des Klosters, wie diese Burkard vonWartensee inne gehabt, als Unterpfand für eine kleine Summe von 3 M. S. KaiserRudolf erkannte, was ihm und seiner Familie Gr- Hugo war und werden konnte.Er ernannte ihn zu seinem Hauptmann und verschaffte ihm die Herrschaft Schmalnegg(1288)2). Als Gr. Ludwig von Homberg im April 1289 starb, wurde erder Vogt dessen Wittwe Elisabeth, einer geb. Gräfin von Rapperschwyl^) und ihrerdrei Söhne, bis die Wittwe sich wieder mit Gr. Rudolf von Habsburg-Laufenburgvermählte. Ungeachtet Abt Wilhelm aus seiner Abtei und Landen vertrieben warund der von dem Kaiser Rudolf im Namen seiner und seiner Söhne gesetzte Unter-vogt und Advokat des Klosters, Ulrich von Ramschwag, von dem Gr. Hugo vonWerdenberg unterstützt, das Land mächtig beherrschte und selbst die Brüder des AbtsWilhelm, die Grafen von Montfort, sowie des Abts Freunde sich ruhig verhielten,sei es aus Liebe zum Frieden, oder, wie die späteren Ereignisse beweisen, ausFurcht vor des Kaisers Uebermacht, so waren doch die Gemüther nicht beruhigt undes zeigten sich immer mehr Spuren der Unzufriedenheit, die sich im Stillen bei denGewaltschritten, die sich die Söhne des Kaisers, Albrecht und Rudolf, erlaubten,immer weiter verbreitete. Kaiser Rudolf starb den 16.. Juli 1291. Sein Todgab das Zeichen zum Ausbruche dieser Gährung. Ein neuer Bund bildete sich gegendas Habsburgisch Oestr. Haus in dieser Gegend. Selbst ein Stammverwandter,Gr. Rudolf von Habsburg-Laufenburg, Bischof zu Konstanz, und dessen Brudermit seinen Freunden standen an der Spitze dieser Verbindung. An ihn schlössensich die alten Feinde des Habsburg. Kaiserhauses an. Abt Wilhelm war der erste,der aus seiner Verborgenheit hervortrat, von der Stadt St. Gallen, den Bürgernund dem Adel, freudig empfangen, den Kampf gegen die Söhne Kaiser Rudolfswieder aufnahm. Doch gehörte zu den erster» und mächtigsten Mitgliedern dieses
1) kleug. c. äll. kio. tvzg.
2) Nach einigen erkaufte Gr. Hugo die Herrschaft Schmalnegg von den Besitzern der-selben, die sich v. Schmalnegg schrieben, nach andern hatte Kaiser Rudolf diese Herrschafterworben und kauf- oder schankungsweisc dem Gr. Hugo überlassen.
Jld. v. Arr, Geschichte des Kantons St. Gallen. II. Bd. S. 5.