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Bundes die reiche/ mächtige und kriegerische Stadt Zürich. Die Stammlande derOestr. Habsburger waren bedroht, um so mehr, da Herzog Albrecht höhere Ab-sichten verfolgte und, indem er die Nachfolge auf dem Kaiserthrone, den sein Vaterso ruhmvoll eingenommen, zu erkämpfen suchte, darauf sein ganzes Augenmerk undalle seine Kraft verwendete. Dadurch gewannen seine Feinde in der Schweiz undSchwaben freie Hand, die auch nicht säumten, diese für sie günstige Gelegenheit zubenutzen. Mit dem Bischof Rudolf zog der Abt Wilhelm auf die schwäbische Seitedes Bodensees, um die Besitzungen der Freunde der östreich. Herzoge anzugreifen.Buchorn, die, wenn schon kleine, doch feste Stadt wurde von ihnen belagert.Mit dem Abte Wilhelm waren die Landleute von Appenzell, die waffenfähige Mann-schaft des St. Galler Landes willig und freudig gezogen. Ihre Heimath blieb größ-tentheils unbewacht. Dieses erspähte der alte östreich. Untervogt, Ulrich von Ram-schwag. Seine Boten eilten zu dem Gr. Hugo nach Rheinegg mit dieser Anzeige undder dringenden Aufforderung, diese so günstige Gelegenheit zu benutzen. Gr. Hugo,der östreich. Herzoge in diesen Gegenden oberster Hauptmann, sammelte schnell seineLeute und die östreich. Söldner und ergoß sich verheerend über die Landschaft Appen--zell und das St. Galler Gebiet. Noch standen der letzten Mannen bei Buchorn,das sie erobert und ausgeplündert hatten t), als Rauchwolken in ihrer Heimath allerOrten emporstiegen und den Ueberfall eines erbitterten und raubgierigen Feindesverkündigten. Ehe sie nach Hause zurückkehren konnten, war die ganze Gegenddurch Raub, Brand und Mord so grausam verheert, daß der alte Ulrich vonRamschwag, der Urheber dieses Elendes, insoweit er den Gr. Hugo von Werden-berg herbeigerufen hatte, aus Kummer und Reue bei dem Anblicke des Jammerserkrankte und starb. Dieses geschah im Nov. 12912).
Ungeachtet der Bemühungen des Herzogs 'Albrecht von Oestreich und seinerFreunde wurde doch den 16. Januar 1292 Gr. Adolf von Nassau zum deutschenKaiser erwählt. Sowie auf der einen Seite die Feinde Herzog Albrechts, nunmehrwenigstens der Gunst des Kaisers Adolf sicher, sich freier bewegen konnten, so wares auch Herzog Albrecht, der bei dem Ingrimms über seine fehlgeschlagenen Hoff-nungen, vorerst zurückgewiesen mit seinen Bewerbungen um den deutschen Kaiser-thron, sich mit mehr Kraft und Erbitterung den Angelegenheiten seiner ursprüng-lichen Stammlande widmete. Daher der Krieg, welcher im vorigen Jahre begon-nen, auch in diesem Jahre (1292) fortgeführt wurde. Gr. Hugo von Werdenbcrgverfügte sich nach Winterthur, dieser alten, festen Stadt, welche mit treuer An-
Tschudi schlägt die in Buchorn gemachte Beute anf 8000 M. S. an.
2) S. Tschudis Schwz.-Chronik, i. Bd. S. 207. ZellwegerS Gesch. des AppenzelterVolkes, i. Th. S. 183.