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Gr. Herrmann von Sulz ^), östr. Laudvogt dieser Gegend, versammelte einenHeerhaufen von beiläufig 7000 Mann, mit diesem zog er (11. Mai 1110) vorRheinegg, welches 200 Appenzeller besetzt hatten. Allein diese, unter dem Scheine,mit dem östr. Heere zu fechten, zogen mir den Bewohnern aus der Stadt, zündetenletztere an und zogen sich in ihre Berge zurück. Nun zog Gr. Herrmann von Sulzvor die Feste Altftetten, dort lagen 100 Appenzeller und Glarner. Drei Wochenvertheidigten sie die Stadt, da kam Herzog Friedrich mit einem neuen Heerhausenvor die Stadt gezogen. Ehe. der Angriff auf die Stadt erfolgte, zogen die Bürgerund die Besatzung aus,'als wollten sie eine Feldschlacht wagen. Herzog Friedrichordnete sein Heers schlug mehrere zu Rittern und rückte in Schlachtordnung vor.Da fand er die Stadt verlassen. Die Einwohner und Besatzung hatten sich überden bekannten Stoß nach Appenzell geflüchtet. Herzog Friedrich verbrannte Alt-stctten und hielt das Rheinthal besetzt. Im folgenden Jahre (am St. Gangolfs-tag 1111) machte Gr. Hugo noch einen Versuch, dem Herzog das Rheinthal zuentreißen. Mit einem gesammelten Haufen, unterstützt von den Appenzellern undGlarnern, drang er in das Rheinthal, besetzte die Stadt Rheinegg (die Burg konnteer nicht erobern) durch 10 Tage und streifte bis gegen Feldkirch. Da zogen dieFeldkircher ihm entgegen. Der herzogliche Landvogt, Gr. Herrmann v. Sulz, botein bedeutendes Heer auf und zwang so den Gr. Hugo mit überlegener Macht, sichnach den Bergen zu flüchten. Im Sommer 1112 (am Freitag vor Margarethen)zogen die Feldkircher vor Rosenbcrg, belagerten die Feste 20 Wochen; endlich wurdesie ihnen aufgegeben, da Gr Hugo dieselbe nach dem Waffenstillstandsvertrag in11 Tagen nicht entsetzt hatte. Nur kurze Zeit blieb Oestreich im Besitze des Rhein-thales. Kaiser Sigmund, nachdem er (1111) den Herzog Friedrich geächtet, ver-pfändete von reichswegen dem Gr. Friedrich von Toggenburg das Rheinthal, wel-ches von da an für Oestreich wie für die Werdenberger auf immer verloren war2).
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1) Tschudi, I. Bd. S. 652.
2) Gr. Friedrich von Toggenburg nahm den Gr. Walraff v. Thierstein, seiner SchwesterJtha Sohn, zum Mitbesitzer des Rheinthales an. Beide verkauften laut Nrk-, <iat. Konstanzden 21. Zuni 1425 die Vogtei im Rheinthale um 6000 Fl. den Petzen, von Hagenwiil. Kai-ser Sigismund bestätigte diesen Verkauf laut Urk., am. Ueberlingen den 29. November 1130'Jakob v. Peyern zu Hagenwiil verkaufte dieselbe aber um 6000 Fl. am Mittwoch vor Kreuz-erhöhung 1160 den Appenzellern. S. Tschudi, Th. II. S. 197 u. S. 599. Nach MerklesVorarlberg, lil. Abth., S. 200, zerstörten nach geschlossenem Frieden (1146) die Appenzellerdas Schloß Rheinegg, weil aus demselben auf die Stadt geschossen wurde, welches sie besetzthatten. Sie wurden deßhalb in die Neichsacht erklärt. Um nun diesen Handel zu beendigen,zahlten die Appenzeller den Petzern von Hagenwiil die 6000 Fl-, um welche ihnen Rheineggverpfändet war und behielten diesen Ort, in dessen Besitz sie durch den Frieden von 1460 be-