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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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Eigenthums an Vasallen, Ministerialen, Zins-und leibeigenen Leuten, welche dieKlöster erwarben, bei der veränderten Stellung, welche in Folge des Zeitgeistes ausarmen Mönchen, apostolischen Bischöfen rc. regierende Herren und Fürsten schuf,wurden Verwicklungen, gehäufte Geschäfte rc. herbeigeführt, die besonders bei demVerstummen der Gesetze unter der Gewalt des Stärkeren, bei dem Aufhören der alt-deutschen Senden und, soweit es die Geistlichen betraf, der kirchlichen Synoden,das Amt eines Schirmvogtes schwieriger und beschwerlicher machten. Eine Folgedavon war, daß die Schirmvvgte sich nicht mehr mit der Ehre, Beschützer derGeistlichen zu sein, begnügten und für das, was sie früher aus Pietät oder alsEhrensache gethan, nun Lohn, oft großen Lohn verlangten, indem sie, unter demTitel des Schutzes und der auf denselben zu verwendenden Zeit und Kosten, dieKloster- und Stiftsgüter sich aneigneten und an sich rissen. Es war auch wirklichkein kleines Geschäft für einen Schirmvogt, die adeligen Vasallen, Lehenleute undMinisterialen eines Klosters oder Stiftes in den Schranken der Ordnung zu erhal-ten, die Leibeigenen und Zinsleute zur Erfüllung ihrer oft drückenden Obliegenhei-ten und Entrichtung der vielen und schweren Abgaben zu nöthigen und die sich erge-benden Ausschweifungen und Verbrechen unter ihnen und gegen ihren Herrn zn strafenund zu verhindern. Alles dieses verlangte daS Kloster oder Stift von seinemSchirmvogt. Er mußte in ihrem Namen Gerichte halten, bei fremden Gerichten,selbst dem kaiserlichen, sie vertreten, und da nur zu oft Streitfragen nicht durch dieGesetze, sondern mit den Waffen entschieden wurden, des Klosters Fehden und An-sprüche ausfechten. Daher nach und nach die Sehirmvögte sich alle oder doch einenTheil der Strafgelder, welche der Schwächere nach dem altdeutschen Strafsystem, dasfast jedes Verbrechen mit Geld sühnte, bezahlen mußte, aneigneten und unter demVorwande, die ihrem Schutz anvertrauten Klöster schirmen zu können, die Burgenund gelegenen Orte der letzteren besetzten und später als Eigenthum behielten.

Die Geschichte des Klosters Pfeiffers liefert hiervon einen klaren Beweis. Diealten Herzoge Rhätiens (üueos ktmotisrum), später die Gaugrafen des Wallgans,waren die ersten Schirmvogte des Klosters Pfeiffers, nach welchen oder als solche diealten Montforte dieses Amt bekleideten. Nach ihnen kam Heinrich, Ritter vonZwingburg, gegen welchen Abt Rudolf bei dem Kaiser Friedrich I. auf dem Reichs-tage zu Erfurt (1161) sich bitter beschwerte. Der Kaiser übernahm nun die Schirm-vogtei selbst, welche seine Nachkommen, die Hohenstaufen, beibehielten, bis KaiserOtto IV. die Schirmvogtei 1208 dem Heinrich von Sar um 300 M. S. verpfän-dete; dieser überließ als Unterschirmvogt die Vogte! um 70 M- S. dem von Falken-stein, von welchem sie Albert von Sar wieder an sich zog. Dieser beredete den AbtConrad, daß er zur großem Sicherheit des Klosters mit einem nicht unbedeutendenKostenaufwand eine feste Burg Wartenstein erbaute. Als der Bau vollendet war,