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besetzte dieselbe sür sich der Mayer von Ragatz. Der Schirmvogi des Klosters, Freih.Albrecht von Sar, wollte dieses nicht dulden, lauerte dem Mayer auf, nahm ihngefangen, führte ihn vor die Burg Wartenstein und, indem er zu dessen Enthaup-tung Anstalt machte, zwang er durch diese Drohung die Frau des Mayers, ihm dieBurg zu übergeben. Nun bezog dieselbe der Schirmvogt Albrecht von Sar mitseinen Dienstmannen selbst (1219), nahm den Abt gefangen und verwahrte ihnauf des Klosters Burg, die er als sein Eigenthum ansah und benutzte.
Der Abt Ulrich von St. Gallen, mehrere von dem benachbarten Adel, nah-men sich des Klosters an und bekriegten den von Sar, aber mit so unglücklichemErfolge, daß der Abt von St. Gallen selbst gefangen genommen wurde. Nunwurde der Streit vor den Kaiser (Friedrich II.) gebracht, welcher denselben zu Traniden 3. März 1221 auf einem Fürstentag zu Gunsten des Klosters entschied,indem er dem Albrecht von Sar die Schirmvogtei über das Kloster absprach unddasselbe in seinen Schutz nahm*). Albrecht von Sar reiste selbst au das kaiserlicheHoflager, um eine Abänderung dieses Spruches zu bewirken, jedoch umsonst. Aufder Heimreise starb er. Seine Söhne nnd Erben kehrten sich an den kaiserlichenSpruch so wenig, daß fie nicht nur allein die Burg Wartenstein, sondern auch dieschirmvogteitichen Rechte behielten, und da der Nachfolger des Abts Konrad dieseRechte des Klosters vertheidigte, auch diesen gefangen nahmen. Diese Söhne Al-brechts, Albert, Ulrich und Heinrich, ließen sich selbst nicht einmal durch die Bulledes Pabstcs Jnnozenz IV. 2) bestimmen, die an sich gezogenen Klostergüter zurück-zugeben. Da erschien um das I. 1236 ein Franziskaner, Berthold mit Namen,in diesen Gegenden, ein gewaltiger Bußprediger und Kanzelredner, welcher großes"Aufsehen erregte und mächtigen Eindruck auf das Volk machte. In Gegenwart des"Albrechts von Sar hielt er eine Rede von dem ungerechten Gute. Tief ergriffennnd erschüttert durch diesen dcredten Vortrag des Mönches erklärte er sich bereit, dieFeste Wartenstein, ja selbst die Schirmvogtei dem Kloster zurückzugeben, wen» ihm300 M. S., um welchen Preis die Vogtei von Kaiser Otto seinen Vorfahren ver-pfändet worden war, zurückerstattet würden^). Mit Freuden ergriff der Abt Ru-
1) Diese kaiscrl. Urkunde unterschrieben als Zeugen: Uirieus, Lp. katsv. widert,I'ii6snt. elocws, visxolilu», LlarvtUo, 6s Voburx, 6oiws6ns Lomss 6s Lllsosteili,Vertol6us, 6e wonts Sacra, 6otUris6, Lomes 6e LIsn6rsw, IMinolrl, 6ux Spoletl,4usslmus, dlaresclrsleus <!« ^ustinzen, Uonraü, Lameisrius 6o 4Ver6s, Uridei'icurniiwsrinl 6s swpUen. St. Gatter Urk. S. Anh. Nr. 3.
2) Gegeben zu Liou 21. März 1248.
2) Diese Verzichtsunkunde wurde 1257 zu Reichen«» ausgestellt. Dieselbe besiegelteHeinrich, erwählter Bischof zu Chur, Bertold, Abt zu St. Gallen, die Grafen vonMontfort und der Gr. von Rapperswyl. St. Galler Urk. Anh. Nr. 4.