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kommenen Macht, doch als Kirchmfürst nnd Lehenherr vieler mächtiger und kriege-rischer Vasallen immer noch der mächtigste Herr dieser Gegend, besonders da dieMontforte nnd Werdenberger durch die vielen Theilungen sich selbst so sehr geschwächthatten. ES lag nämlich in dem Interesse des vstr.-Habsburgischen Hauses, durchneue Erwerbungen in Graubündten nnd den vorarlbergischen Landen sich einen Wegtheils nach Italien, besonders dem Mailändischen, zu öffnen, noch mehr aberdas von ihm erworbene (1363) Tyrol mir seinen Stannngütern in der Schweizund Schwaben in eine unmittelbare Verbindung zu bringen, sowie es entgegen imInteresse der Eidgenossen und des nach immer größerer Unabhängigkeit strebendenAdels lag, Oestreich ferne zu halten. Herzog Leopold von Oestreich, deS bei Sem-pach gebliebenen Herzogs Leopold Sohn, verständigte fich^ daher mit dem PabsteBonifaz IX., daß des Herzogs Vicckanzler, Anton, Bischof in Chur werden sollte.Es standen sich daher zwei Bischöfe von Chur feindlich entgegen, Anton, als dervom Pabst ernannte, von Oestreich mächtig unterstützte Gegner des Gr. Hartmanns,welchem das Kapitel als den von ihm gewählten, sowie Hartmanns Freunde undVerwandte rc. anhingen.
Ueber die Zeit, wann die Erwählung Hartmanns geschah, weichen die Schrift-steller von einander ab. Guler schreibt*), Bischof Johann sei im I. 1389 gestor-ben und in eben diesem Jahre Gr. Hartmaun erwählt worden, will auch so wie an-dere von einem Nachfolger des Bischofs Johann, welcher Barthokomäus hieß, nichtswissen, dagegen Eichhorn und Flugi des letztem erwähnen, als Todesjahr des Bi-schofs Johann das I. 1388 angeben, sowie das der Wahl des Bischofs Hartmanndas I. 1390.
Bei dieser Trennung, welche in der Churer Kirche eingetreten war, bei demMangel an einem weltlichen Oberhaupte (der damalige Kaiser Wenzeslaus beküm-merte sich um die deutschen Angelegenheiten wenig), war eine Entscheidung derFrage: wer von beiden Bewerbern Bischof von Chur sein sollte? auf gesetzlichemWege fast unmöglich. Es blieb daher beiden Parteien überlassen, ihre Rechte undAnsprüche selbst zu verfechten. Herzog Albrecht von Oestreich griff zu den Waffenund besetzte das Münsterthal und das dasige Kloster den 25. Januar 1391 mit sei-nen Truppen, welche bis den 7. März des folgenden Jahres daselbst verblieben,doch ohne Beschädigung des Landes (nominsm Ig68eunt). Die Vogtei über dieseKlöster hatten die Frech, von Matsch an sich gezogen, doch sprach dieselbe das Bis-thum Chur an, sowie die Landesherrlichkeit 2). Von dem Gr. Hartmann hören
*) Rhät. Geschichte, X. Bd. S. 153.
2) LiapvArspdo Usriaoinontano r> Koss^vino Priors, circa linew »»so. XIVeoiwcripto, gpuü Licliliorn in 6o<l. krod. p. 127.