Buch 
Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
Seite
287
JPEG-Download
 

287

und dieser Gegend eine bedeutende Rolle spielte. Sein Ehrgeiz und unruhiger Geistverwickelte ihn in alle Kriege und Fehden vcr damaligen Zeit und stürzte ihn in Un-ternehmungen und Versuche, die zu einem glücklichen Ende zu führen es ihm ankluger Mäßigung, Macht und Glück fehlte, die daher auch mißlangen und sein undder Seinigen Verderben herbeiführen mußten. Die Erbschaft seines Vaters Rudolfwar zwar immer noch ansehnlich, allein der dritte Theil derselben, welchen Gr. Hart-mann anzusprechen hatte, genügte seinem Ehrgeize nicht, welcher sich ein größeresFeld zum Schauplatze seiner Thätigkeit wünschen mochte. Er widmete sich daherdem geistlichen Stande und trat in den Ritterorden des heil. Johann, welcher ange-sehen, mehrere kommenden in der Umgegend besaß und einem thätigen, unterneh-menden Manne, wie Gr. Hartmann war, die schönste Gelegenheit darbot, sich aus-zuzeichnen und den Weg zu höheren geistlichen Würden anzubahnen.. Es gelangihm auch, die Commende Wädischwil im I. 1376 zu erhalten. Um dieses seinZiel zu erreichen, bewarb er sich um die Gunst der Eidgenossen, indem er ihnenlaut Urk. vom 8. Sept. 1376^) versprach, daß Wädischwil ihr offenes Haus seinsolle. Sein Bruder Heinrich und sein Vetter Johann von Werdenberg-SarganSsiegelten diesen Brief. Dem Herzog Leopold von Oestreich wollte dieses Anschließenan die Eidgenossen nicht gefallen, indem er schon damals damit umging, die Eid-genossen sich zu unterwerfen und ihren Bund aufzulösen; er nahm daher die vonWerdenberg in seine Dienste und bestimmte sie, sich von den Eidgenossen loszusagen.Dem Gr. Hartmann genügte aber die erhaltene Commende nicht, er trachtete nachHöherem. Johann II., Bischof zu Chur, war den 3. Juli 1388 gestorben. Eingewisser Bartholomäus wollte sich des erledigten Bischofsstuhles bemächtigen. Wahr-scheinlich war er von Rom aus dahin bestimmt worden. Mein damals war dasAnsehen der Päbste bei dem großen Zwiespalt und Trennung in der Kirche ziemlichgesunken. Die Churer, sowohl das Domkapitel als die Vasallen und Unterthanendes Stifts, wollten von diesem Bartholomäus nichts wissen und wählten den Gr.Hartmann von Werdenberg, den Johanniter-Ordens Ritter, zu ihrem Bischöfe.Die Persönlichkeit dieses Mannes, noch mehr aber das Ansehen und die Macht seinerFamilie, mochten wohl diese Wahl geleitet haben, da sie von ihm erwarten zu könnenglaubten, er werde sie die Rechte und Besitzungen des Bisthums in diesen kriege-rischen und gesetzlosen Zeiten am kräftigsten zu schützen vermögen. Allein GrafHartmann fand mächtige Gegner in den Herzogen von Oestreich. Diesen lag näm-lich sehr viel daran, einen ihnen ganz ergebenen und von ihnen abhängigen Mannaus dem Bischofsstuhle von Chur zu wissen. Ein jeweiliger Bischof von Chur war,auch bei dem gesunkenen Ansehen und verhältnißmäßig gegen früher tiefherabge-

r) Tschudis Eidgen.-Gcschichte, I. Th. ,v. Bd. S. 494.