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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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die immerwährenden Fehden viele Bewohner um das Leben gekommen, viele ausge-wandert seien.

Dabei sah Bischof Hartmann, um sich den Beistand seiner Unterthanen, be-sonders der Stadt Chur, zu versichern, genöthigt, ihnen Rechte und Freiheiteneinzuräumen, welche nothwendig das Ansehen des Landesherr» schwächen und denWeg anbahnen mußten, welcher zwar zur Freiheit, aber erst durch mannigfaltigeIrrungen und Jahrhunderte andauernde Streitigkeiten führten. Wie traurig undverzweifelt der Zustand des Bisthums und demzufolge eines jeden Bischofs gewesen,zeigt wohl am besten, daß Hartmanns Nachfolger, Johann Abundius, nachdemer den Stand der Verhältnisse naher eingesehen hatte, das Bisthum nach einemJahre wieder aufgab, und ungeachtet dessen zweiter Nachfolger, Johann Naso, einkluger und umsichtiger Mann, alles that, um dem Verfalle des Bisthums entgegenzu wirken, dasselbe sich nie mehr ganz erholen und Niemand es mehr übernehmenwollte. Auch als Hartmann starb, waren die von ihm erneuerten Fehden nochnicht alle beigelegt. Mit dem von Mätsch vertrug man sich erst 1421, mit derStadt Chur 1422, mit den von Rhäzuns im Jahre 1428 u. s. w. Dieses warenDie traurigen Folgen des Ehrgeizes und der Herrschsucht eines Mannes, welchen-große Eigenschaften nicht abgesprochen werden konnten und welcher bei größererKlugheit, Neigung und Liebe zum Frieden und Beherrschung seiner Leidenschaftendas Glück der Seinigen, die Ruhe der Umgegend rc. in seiner Stellung und derihm verliehenen Macht wohl hätte bewirken und erhalten können. Der beste Beweisseiner persönlichen Liebenswürdigkeit und der Achtung, in welcher er bei seinen Un-tergebenen stand, ist wohl der, daß sie ihn, ungeachtetet sie durch ihn so vieles lei-den mußten, doch nie verließen, ihm, wie wir oben gehört, mit bewaffneter Hand,selbst mit Gefahr ihres Lebens und Eigenthums beistanden und seine Rückkehr ausseiner dritten Gefangenschaft mit allgemeinem Jubel feierten, daß die Puschklaversich ihm freiwillig unterwarfen und die auf ihre Volksrechte so eifersüchtigen Manierund die Bewohner Hochrhätiens (grauer Bund) für ihn immer günstig gestimmtwaren. Von Bischof Hartmann kann man mit Recht sagen: Er war ein thätiger,wohl großer Mann, allein er überschätzte seine ihm zu Gebote stehenden Mittel undKräfte, er wollte ärnvten, ehe die Aerndtezeit da war, er mißkannte seine Zeit,seine Umgebung und erreichte daher nie das von ihm sich gesteckte Ziel und stürzte dieins Verderben, deren Ruhm und alten Glanz er herstellen wollte, sein Bisthum,seine. Freunde und Verwandten.

Bischof Hartmann war der letzte männliche Zweig der Linie der Grafen vonWerdenberg»Sargans zu Vaduz, indem seine beiden Brüder keinen männlichen Er-ben zurückließen.

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