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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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und Niedersüns und Fardün bestehend, hierzu kamen noch einige Allodialgüter, alsdas Schloß Rukburg bei Lindau n, st w. Diese Besitzungen, wenn schon weni-ger bedeutend, als die ihre Voreltern besessen hatten, waren doch noch immer vonder Art, daß sie den beiden Brudern einen beveutenden Einfluß auf die Ereignissedieser Gegend gewährten, da ihre Nachbarn größtentheils minder begütert waren.Hierzu kam noch, daß die beiden Bruder in Eintracht lebten, beide im Landrechtemit Schwyz und Glarus standen und mit den Freih. von Rhäzuns, Matsch, He-wen rc. nahe verwandt waren. Mein Wilhelm und Georg waren noch jung, alsihr Vater starb, auch scheinen sie keine guten Haushältcr gewesen und deßhalb inkeinem guten Rufe gestanden zp sein. Nach den Protokollen des ThurgauischenLandgerichts dieser Zeit wirkt Konrad Rüll von Konstanz im I. 1447 einen Ver-kündbrief aus gegen Gr. Jörg und Wilhelm von Sargans und Hans von Rechbergzu Hohcnrechberg, und in den I. 1448 und 1449 ein Konrad Schaz auch einensolchenüber Gr. Jörgen und Gr, Wilhelmen von Salgans, daß si im nit haltenBrief und stgel, die st im gelopt haben, bi gutem Truwen". Dabei waren dieVerhältnisse zwischen ihnen und ihren Unterthanen schwierig und kritisch, besondersthat sich zu dieser Zeit in diesen Gegenden ein Geist und Streben nach größerer Frei-heit und Unabhängigkeit kund, welcher überhaupt den Gebirgsbewohnern eigen,durch die Vereine der Eidgenossen, durch ihren sieghaften Kampf gegen Oestreich,den Adel, selbst den schwäbischen -Bund genährt und gesteigert wurde. Zwar ver-langten die Landleute dieser Gegenden (früher ohne allen politischen Einfluß), durchdie steten Fehden des Adels, ihrer Gutsherren, welche ihre Hülfe in Anspruch nah-men, selbst hierzu ermuthigt, keine gänzliche Unabhängigkeit, aber doch Feststellungihrer Abgaben, eigene Gerichte und selbst Theilnahme an allem, was sie betraf,wobei sie sich jedoch stets geneigt zeigten, nicht nur selbst mit gewaffneter Hand ge-gen jede wahre oder auch oft nur vermeinte Unbild zu schützen, sondern auch ihrenNachbarn zu helfen. Besonders zeichneten sich hierin die Schamser und Rheinwäl-der aus, die sich zum Theil an den grauen Bund gegen den Willen ihres Herrn,den Gr, Heinrich von Werdenberg (1424) angeschlossen und selbst während desletztem Fehden und Streitigkeiten (1418 1431) mit dem Bischof von Chur undden Schweizerkriegen (14361447) manche schuldige Abgaben sowie die Huldi-gung diesem ihrem Herrn versagt hatten. Als daher Gr, Heinrich nach beendigtemSchweizerkriege Ruhe von dieser Seite hatte, richtete er sein Augenmerk auf dieseseine oberländischen Besitzungen und wollte sein Ansehen sowie seine unbeschränkteHerrschaft daselbst, gestützt auf seine, wie er glaubte, anererbten, alten Rechtewieder herstellen. Er fand in dem benachbarten Adel, selbst in den sonst so frei-sinnigen Freih, von Rhäzuns und andern, die gleiche Ansprüche, gleiche Ansichtenmit ihm hatten. Heiser und Theilnehmer seiner Plänez besonders war es Bischof