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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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unzüchtiger Lust gern den Trotz verbunden, sie vor den Augen der Gatten und Va-ter zu befriedigen, so daß kein Landmann bey Ehre, Leib und Gut sicher gewesen/'

Allerdings ist der Ucbernmth, besonders kleiner Diener, kleiner -Herren, groß,nnd selbst wenn die Leidenschaften ihrer -Herren sie vor Verantwortung schützt, oftbis ins Unglaubliche gehen; doch obige Erzählungen, mit welchen man die Ge-schichte dieses Aufstandes auszuschmücken und wohl auch zu vertheidigen suchte, glei-chen zu sehr ähnlichen Mährchen und sind ganz unglaubwürdig, wenn man bedenkt,wie diese Thalleute schon längst auf ihre althergebrachten Rechte und Freiheiten eifer-süchtig, damals und schon seit 1424 Mitglieder des grauen BundeS waren, der,in dieser Gegend übermächtig, zum Schutze der Unterthanen errichtet, mit den de-mokratischen Schwyzern und Warner» in engster Verbindung stehend, eine solcheBosheit und Uebermuth auch keinen Augenblick ertragen oder ungerächt gelassenhätten, da sie bei den oft unbedeutendsten Beschwerden und nur vermeinten gering-sten Beleidigungen zu den Waffe» griffen und selbst Kriege mit Mächtigeren deßhalbnicht scheuten, wie dann namentlich obige Schamser und Rheinwälder, als Streitdarüber entstand (1418), ob sie das Bisthum Chur oder den Gr. Heinrich alsHerrn anerkennen sollten, ohne alle weitere Veranlassung sich selbst von der Zahlungaller Abgaben frei sprachen, sich selbst regierten und nur durch das Zureden undselbst durch Drohung ihrer Freunde sich bewegen ließen, (1431) ihrem legitimenHerrn, dem Gr. Heinrich, zu huldigen. Zudem war Letzterer bei all seinem Stolzeein gutmüthiger, milder Mann, der so grobe Mißhandlungen seiner Landleute ge-wiß nicht geduldet hätte, auch konnte er keine Castclane in Guardaval re. halten, dadieses Schloß, im Engadin gelegen, nicht ihm, sondern zum BiSthume Chur ge-hörte. Dem sei aber wie ihm wolle, Unzufriedenheit herrschte, der Landlcute mitihrem Herrn, des Herrn mit erster», Brennstoff war genug vorhanden, ein Funkenhineingeworfen, und die Flamme loderte schnell empor. HanS von Rechberg, derFriede mit den Eidgenossen, das Vertrauen zu dem schwarzen Bunde mochte wohlUrsache sein, daß die Laudleute mit weniger Schonung und Rücksicht behandelt unddie Burgvkgte und Castelanen veranlaßt wurden, ihr Ansehen und ihre Macht zumißbrauchen und so die ohnedies schwierigen, freiheitslustigeii Landleute noch mehraufzureizen. Der erste Versuch, der noch im Namen des alten Grafen Heinrichgemacht wurde, die Landleute zu unterdrücken, mißlang und Gr. Heinrich starb.Seine jungen Söhne, die Grafen Wilhelm und Georg, erbte» mit seinen Landendiese Fehde und verfolgten dessen Pläne.

Den 11. Juni 1450 belehnte sie Bischof Heinrich, ihr Bundesgenosse, mitSchams, Rheinwald u. s. w. Die schwierigen Landleute verweigerten ihrem neuenHerrn den Gehorsam und diese setzten den kriegerischen, kräftigen und schlauen Hansvon Rechberg zu ihrem Stellvertreter in diesen Landestheilcn. Allgemeines Murren