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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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Daß dieser Rudolf aus dem Geschlechte der Grafen von Werdenberg-SarganSwar, beweist nicht nur der Beiname, welcher ihm in den Urkunden beigelegt wird,nämlich: genannt von Sargans, sonder» noch unwiversprechlicher eine Urkundeseines Sohnes Heinrich von 1331 (s. unten), an welche sein Sigill angehängt ist,das die Umschrift hat: 8, Loinitm Uc; IVoräoiiborA-SarZinw,

Unbekannt ist das Jahr, in welchem die Heirath des Gr. Rudolf milderMarkgräfin Adelheid von Burgau vollzogen wurde. Doch geschah dieses schon vordem 3, 1290, indem eine Urkunde von 1291 vorliegt l), nach welcher MarkgrafHeinrich III, mit seinem Enkel, Heinrich V,, dem Kloster Medlingen den Ankaufeiner Mühle zu Suntheim (bei Gienge») gestatten, welche Adelheid, des altenMarkgrafen Tochter und Gemahlin Grafen Rudolfs von Werdenberg, als einenTheil ihrer Aussteuer erhalten und um 150 Pfenning an die Klosterfrauen ver-kauft hatte,

Gr, Rudolf hatte durch diese Heirath ei» ansehnliches Besitzthum erhalte»,welches ihm einen bedeutenden Rang unter dein Adel der Gegend seiner neuen Hei-math anwies. Nach dem Aussterben der Markgrafen von Burgau aus dem Ge-schlechte der alten Grafen von Berg (später auch von Schelklingen genannt), warenes einzig die Grafen von Helfenstei» und Kirchberg, welche ihm an Grundbesitz,Macht und Ansehen gleich standen, doch hatten theilweise die politischen Verhältnissedieser Gegend sich anders gestaltet, als sie in Graubündten waren, I» Grau-bündten waren nämlich die Werdenbergkr in vielseitige, in zum Theil erbliche Fa-milimfehden verwickelt. Die Bewohner dieser rauhen Gebirge waren von Naturschon kriegerisch und, wie die Bergvölker überhaupt, mehr nach Freiheit und Un-abhängigkeit strebend, als die friedlichen Bewohn r der Donangegend, wo Acker-bau rc. den Landmann beschäftigten und reichlich nährte», er auch durch die offeneLage seiner Wohnorte gegen die ihn angreifenden Feinde weniger Schutz und Hülfefand. Wohl mochte das Beispiel der schweizerischen Eidgenossen auf ihn zurück-wirken, aber doch immer weniger, als auf den nähern, ihm in mannigfaltiger Be-ziehung mehr verwandten Nachbarn in Graubündten und Vorarlberg, Daher,während der Landmann in den Schweizer- und Graubündtnerberge» schon seit demAnfange des Uten Jahrhund, für seine Freiheit, seine alten Rechte sich schlug, baldmit, bald gegen seine angebornen Herren kämpfte, so trug der schwäbische Land-mann, wenn auch nicht ruhig, doch immerhin ohne offene Widersetzlichkeit dasschwere Joch der Leibeigenschaft noch durch zweihundert Jahre (1525), ehe er oas-selbe gewaltsam abzuschütteln versuchte. Auch selbst unter dem Adel bestand in so weit

S. Jahresbericht des historischen Vereins im vormaligen K, B, Oberdonaukreisfür t837, S. W, Nr. 12.