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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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Fürsten Eingang fand und sieb selbst in die einsamen Burgen des niedern Adels ein-schlich, steigerte mit den neuen, aus eigenen Mitteln nicht zu befriedigenden Be-dürfnissen die Mißgunst, und diese führte zu Bedrückung, Beraubung des Städters,sowie der letztere auch aus stolzem Uebermuthe, welcher so oft der Gefährte des Geld-reichthums ist, den Adel in seinen, histvriscken Rechte kränkte und beeinträchtigte.So entstanden hier Kriege und Fehden der freien Städte mit den Fürsten und demAdel, theils von größerem Umfange und Bedeutung, theils in Raubzügen undWegelagerungen einzelner Raubritter bestehend, wie in Graubündten und in derschweizerischen Eidgenossenschaft die Vvlksvereine gegen die Fürsten und den Adelankämpften.

Unter den vielen freien Reichsstädten SchwabenS waren aber Ulm und Augs-burg die reichsten, mächtigsten und angesehensten. Ulm, um diese Zeit in seinerschönsten Blüthe, welche der Macht eines Kaisers, Lothar II., getrotzt, der einesHeinrich Raspo und später eines K. Karl IV. siegreich widerstanden hatte, dessenPatrizier, altadelichen Geschlechtern angehörend, mit Grafen und kleineren Fürstenan Reichthum und Pracht wetteiferten, war gegen Norden und Nord-Ost von denBesitzungen der Herren von Albek und Langenau eingeschlossen und diese reichten fastbis an die Stadtmauern Ulnis hin. Daher auch das öftere bald freundliche, baldfeindliche Zusammentreffen der Stadt Ulm mit den Grafen von Wcrdenberg, so langediese letzteren im Besitze obiger Herrschaften waren. Offenbar waren die Ulmer diemächtigeren, denn sie waren die reicheren und bildeten einen festen Körper, dem dieWerdenbergcr für sich allein nicht widerstehen konnten und zusammengesetzte, ge-theilte Interessen immer der für sich bestehenden Einheit unterliegen. Sowie daherdie von Werdenberg-Sargans in Graubündten den wiederholten Angriffen der Bünde(der Grauenbündtner und der Eidgenossen) sowie der Uebcrmacht und Vergröße-rungssucht Oestreichs unterlagen, so verloren auch die Grafen von Werdenberg zuAlbek ihre dasigen Herrschaften nach etwa hundertjährigem Besitze an die reichen Ul-mer , welche die Geldverlegenheiten der Grafen mit kaufmännischer, schlauer Berech-nung benutzten, um ihnen einen Ort nach dem andern und am Ende alles abzu-nehmen.

Graf Rudolf von Werdenberg, der erste Besitzer dieser Herrschaften, scheintmit der Stadt Ulm in guten Verhältnissen gestanden zu haben, wenigstens finden wirin der Geschichte von ihm nur friedliche Verhandlungen in den Urkunden aufgezeich-net. J,n I. 1301 ist Rudolf mit seinem Vetter, dem Gr. Hugo von Werdenbergzu Rheinegg dem Kaiser Albrecht I. Bürge für eine Summe, welche letzterer derStadt Augsburg schuldete'). Hier zeigt er sich noch als der alte Freund und An-

'> Stellen« Geschickte der Stadt Augsburg. I. 86-