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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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Heinrichs Vll. trat nämlich ein Zwischenreich ein, welches über ein Jahr andauerte.Zwei mächtige Bewerber um den erledigten Kaiserthron hatten steh an die Spitzezweier feindlicher Parteien gestellt, nämlich Ludwig, Herzog von Baiern, undFriedrich, Herzog von Oestreich, beide Enkel des großen Kaisers Rudolf des Habs-burgers, letzterer ein Sohn des (1308) ermordeten Kaisers Albrecht. Endlich(1314) erfolgte eine zwiespältige Kaiserwahl, ein Theil der Churfürsten erwählteden Ludwig, ein anderer den Friedrich. Beide griffen zu den Waffen, das KriegS-glück sollte entscheiden, wer der Deutschen Kaiser sein und bleiben sollte. Alle Für-sten, weltliche und geistliche, der Adel, die Städte, die Eidgenossen, alles, wasals eine Macht galt, nahm für den Einen oder den Andern Partei. Bon einemSkillesttzen, einer Neutralität, war in diesem allgemeinen Wirren keine Rede. AlleLeidenschaften wurden aufgeregt und entfesselt, um sich Anhänger zu verschaffen.Auch die Werdenberger in Graubündten, Vorarlberg und den Seegegenden nahmenPartei, und wie es sich leicht voraussehen und erklären läßt, für Oestreich und d>mdiesem Hause angehörigen Friedrich, denn sie waren von jeher Verbündete undFreunde deck Habsburgischen Hauses. Selbst die stammverwandten Montforte, frü-her nicht selten dessen Gegner, schloffen sich an den Bund gegen Ludwig dem Baieran^). Eine auffallende und eigene Erscheinung war es daher, daß Gr. Heinrich V.von Werdenberg allein auf die Seite des Ludwigs trat und dessen Sache, ungeachtetder Gefahren, welche seinen Besitzungen von der östreichisch gesinnten Umgebung be-drohten, offen mit einem Eifer verfocht, den nur Parteiwuth oder ein tiefes Gefühleines großen, erlittenen Unrechts einflößen konnte. Dieses Benehmen des GrafenHeinrich war um so auffallender, da sein Schwiegervater, Gr. Eberhard von Wür-temberg, dieser so mächtige und einflußreiche Mann, sich für den Kaiser Friedricherklärt, sowie die mächtige, den Werdenbergifchen Besitzungen Heinrichs so nähegelegene Stadt Ulm, dieses gleichfalls gethan hatte. Immerhin beweist dieser Ent-schluß Heinrichs, daß er ein selbstständiger, entschlossener und muthiger Mann war,der vor keiner Gffahr furchtsam und wankelmüthig zurückbebte, sonne daß ihn wich-tige Gründe bestimmt haben müssen, einen solchen gewagten und gefährlichen Schrittzu thu». Wohl mochte er mit Oestreich grollen, daß letzteres die MarkgrafschastBurgau sich angeeignet hatte, auf welche er, als Erbe seiner Mutter, wohl An-spruch zu haben glaubte, vielleicht'mochte er auch in seinen eigenen Besitzungen be-einträchtigt worden sein oder es wenigstens zu sein glauben. Wahrscheinlich war erpersönlich dem Kaiser zugezogen und verweilte bei dessen Heer, doch hielt er sich wohlauch von Zeit zu Zeit auf seinen schwäbische» Besitzungen auf, von wo aus, na-

) S. §. 4. il. Abth.