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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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bürg und Eberhard Jungnauer (am Samstag nach St. Lüsten 1312)') einen neuenVertrag zu Stande, nach welchem Gr. Johann nebst Trochtelfingen und Jungnaunoch die Gülten zu Bettringen und Hohenbcrg und eine jährliche Rente von 772 st.erhielt und von Bezahlung aller Schulden und Renten, welche auf den Gesammt-herrschaften lasteten, freigesprochen wurde.

Die Familie der Freiherren von Brandes war um Liese Zeit ausgestorben undihre Herrschaften Vaduz und Blumenegg dem Reiche als eröffnete Lehen Heimgefallen.Kaiser Mar hatte sie dem Herzog Karl von Oestreich und dem Frech. Johann vonKönigseck geliehen. Dagegen erhob Gr. Johann von Wcrdenberg Einsprache, aufwelche ihm Kaiser Mar, clü. Augsburg 23. Mai 1510 2) ein Drittel obiger Herr-schaften gegen Verzichtleistung auf seine Erbsansprüche zuerkannte. Einige Wochenspäter (8. Juni 1510) wies ihm Kaiser Mar dagegen als Entschädigung und gegenAbtretung des Umgeldes in Weidenhofcn eine jährliche lebenslängliche Leibrente von300 st. auf das Vizthumamt zu Oestreich unter der Ens an. Gr. Johann, sowieer auf diese Weise seine häuslichen Angelegenheiten geordnet hatte, vermählte sichmit Katharina, einer Freiin von Gnndelfingen, welcher er als Heimsteuer undMorgengabe mit Zustimmung seiner Bruder (Urkunde von Samstag nach ChristiHimmelfahrt 15 13 )^) die Summe von 3300 st. auf Trochtelfingen und Jungnaumit dem Wittwensttze in letzterm Orte anwies. An den um diese Zeit vorgefallenenHändeln wegen Ermordung des Gr. v. Sonnenberg scheint er nicht Theil genommenzu haben, wenigstens wird seiner hierbei nie erwähnt. Dagegen wurde er mit sei-nen beiden Brüdern, Christes und Felir von dem Kaiser Karl V. zu Worms den7. März 1521^) mit den Grafschaften Heiligenberg und Slgmaringen belehnt.

Gr. Johann starb den 9. Juli 1522, ohne Kinder zu hinterlassen. ImI. 1511 (10. Mai) ermordete Gr. Felir von Werdenberg den Gr. Andreas vonSonnenberg aus dem Felde, nahe bei dem Dorfe Hundersingen bei Ricdlingen ander Donau. Dieser Mord verursachte allgemeines Aufsehen in ganz Deutschlandund gab Anlaß nicht nur zu mehreren Schriften, die damals schon von beidenParteien gewechselt wurden, sondern auch zu einem merkwürdigen, langandauerndenStreithandel, der erst mit dem Tode des Gr. Felir (1530) endete. Da jeder Theilzu seinem Vortheile sprach und schrieb, Freunde und Gegner fand, welche, wieimmer, wo Parteien und Leidenschaften vorherrschen, die Geschichte dieses Mordestrübten, indem sie denselben zu entschuldigen oder die Schuld zu vergrößern suchten,

H S. Anh. Nr. 331.

-) Orig.-Urk. im fürstl. fürstenb. Arch. Anh. Nr. 327 u. 329.«) S. Anh. Nr. 332.

«) S. Anh. Nr. 336.