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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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das Werdenbergische Gebiet fahren und da Zoll entrichten sollten. Dessen weigertensich die Sonnenbergischen Unterthanen. Nun nahm Gr. Christas (einige sagen Felir)zwei Weinwägen mir Gewalt hinweg, welche den Bürgern der Stadt Mengen ge-hörten. Diese fielen, unterstützt von einigen Knechten des Gr. Andreas von Son-nenberg, in Las Sigmaringische ein und schleppten einige Werdenbergische Leute ge-fangen fort, um durch das Lüsegeld sich schadlos zu halten. In der ZimmerschenFehde nahm Gr. Andreas offenen Antheil gegen Werdenberg (s. oben), indem ernicht nur einen Scheinkauf über Wildenstein abschloß, sondern auch mit Rath undThat half, daß Joh. Werner von Zimmern Mößkirch wieder erobern konnte. Da-bei erreichten die Streitigkeiten zwischen den beiden Kamillen Werdenberg und Son-nenberg einen so hohen Grad, daß Kaiser Mar (1497) sich veranlaßt sah, zurBeilegung derselben den Bischof Friedrich von Augsburg eigends zu bevollmächtigen.Diese Streitigkeiten betrafen theils die Gränzen beider Herrschaften, theils den Um-fang der Gerichtsbarkeit, besonders aber hie forsttheiligen Rechte. Noch von 1503^)findet sich ein Briefwechsel vor zwischen dem Gr. Andreas von Sonnenberg und denGrafen Hugo und Christof von Werdenberg wegen eines Forstfrevels und der hier-durch herbeigeführten Verhaftung eines Sonnenbergischen leibeigenen Dieners, wel-cher in einem abstoßenden und barschen Tone geführt wurde. Zu diesen Familien-zerwürfnissen scheint eine neue persönliche Feindschaft zwischen dem Gr. Andreas vonSonnenberg und dem Gr. Felir von Werdenberg gekommen zu sein. Beide standenin Diensten des Kaisers Mar, beide glaubten wohl mit Recht besondere Verdienstesich erworben zu haben und doch bevorzugte der Kaiser den Gr. Felir von Werven-berg. Gr. Andreas von Sonnenberg, stolz auf seine persönliche Tapferkeit, Stärkeund Kraft überschätzte wohl seine Verdienste und übersah die höhere, geistige Befähi-gung und die Thätigkeit des Gr. Felir, welche der Kaiser wohl zu würdigen und zubenutze» wußte, indem letzterer eben so ein tüchtiger Kriegsmarin, als ein gebildeterHofmann und vorzüglicher Rath war. Gr. Andreas scheint durch diesen dem Gr.Felir zu Theil gewordenen Vorzug besonders erbittert geworden zu sein und dessenFeindschaft auf einen hohen Grad gesteigert zu haben. Den hingeworfenen Fehde-handschuh hatte Gr. Felir bei seinem Stolze und großer Reizbarkeit mir tiefem In-grimms aufgegriffen und ein vielleicht sonst weniger beachteter Zwischenfall brachteeinen Ausbruch hervor, der jedenfalls höchst bedaurungswürdig war und dessen Ver-lauf und Folgen sich nur aus der vorangegangenen Stimmung erklären lasse».Dieser Zwischenfall trug sich auf der Hochzeit des Herzogs Ulrich von Würtembergmit der bairischen Herzogin Sabina (1511) zu und endete mit der Ermordung des

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