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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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Gr. Andreas von Sonnenberg. Diese Hochzeit fand zu Stuttgart den 2. März1511 statt. Eine große Anzahl von Fürsten, Grafen und Rittern fanden sichbei derselben ein (man zählte 2000 Pferde und 345 vornehme adelige Damen)!).Auch der Kaiser Max schickte eine eigene Gesandtschaft, welche in seinem Namen denHochzeitsfeierlichkeiten beiwohnen sollten, denn nicht nur war Herzog Ulrich von demKaiser damals hoch geachtet, sondern Säbina, die Braut, war auch seiner Schwe-ster Katharina Tochter. Die kaiserliche Gesandtschaft bestand aus Gr. Eitelfritz vonZollern, Gr. Felir von Werdenberg und Gr. Sigmund von Lupfen. Unter denanwesenden Gästen befanden sich auch die beiden Grafen Christof und Johann vonWerdenberg sowie Andreas von Sonnenberg und sein Tochtermann, Truchseß Wil-helm von Waldburg. Die Auszeichnung und der Rang, welchen Gr. Felir alskaiserlicher Gesandter genoß, erbitterten den gegen erstem ohnedies feindlich gesinntenAndreas von Sonnenberg noch mehr. Als daher Gr. Felir die herzogliche Brautnach einigen in die Kirche, nach andern zu einem Vortanze führte, rief Gr. An-dreas:Richte dich auf, strecke dich, Werdenberg/' denn Gr. Felir war etwasklein, die Braut hingegen groß und ansehnlich. Auf die Bemerkung, daß dieseseine Beleidigung des Gr. Felir sei, erwiderte Gr. Andreas: Was ihm dieses Stu-dentlein thun wolle, er wäre nicht so keck, ihn zu beißen, wenn er auch seinenkleinen Finger zwischen dessen Zähne legen würde. Der ehrgeizige und reizbare Gr.Felir nahm diese Aeußerungen, welche ihn des Mangels an Muth und selbst derFeigheit vor einer so großen und ansehnlichen Versammlung beschuldigten, sehr em-pfindlich auf. Die Zimmersche Chronik schreibt hierüber:Grave Felir von Wer-denberg demnach er insonnderhait ganz unvertreglich und eines hochen Gemüeths hater abgehörter Worten zu Stutgarten ergangen, auch solcher Verachtung nit vergehenkennen, oder wellen) sonnder die sovil und dermaßen zu Herzen gefast, das er dar-vor wenig Rhuo gehapt.«

') Eine sehr ausführliche Beschreibung der Hochzeitsfeierlichkeiten mit dem Namens-verzeichniffe fast aller Anwesenden liefert Steinhofer in seiner würtemb. Chronik, Ty. I.S. 256 u. Th. IN. S. 9601010. Derselbe erzählt auch Th. I., S. 267 u. Th. III.,S. 1011 die bei diesem Anlasse vorgefallenen Streitigkeiten zwischen dem Gr. Felir vonWerdenberg und Gr. Andreas von Sonnenberg. Vergl- Sattlers Geschichte der Herzogevon Würtemberg, Th. I. S. 116.

Nach Steinhofer wurden bei dieser Hochzeit verbraucht: 136 Ochsen, 1800 Milch-kälber, 570 Kapaunen, 1200 Hühner, 2759 Krametsvögel, 11 Tonnen Salmen undLachs, 5 Tonnen Rheinfische, 90 Tonnen Heringe, 36 U Jmber, 120 U Gewürznelken,40 Safran, 35 U Süßholz. Verbacken wurden 6000 Scheffel Früchte, ohne was anSchweinen, Wildpret und Eiern verzehrt wurde.