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Wirklich drohte Gr. Felix, sich an Gr. Andreas zu rächen und es wäre gleichdamals wohl zu einem Ausbruche gekommen, wenn nicht Herzog Ulrich von Wür-temberg selbst als Vermittler aufgetreten wäre und die beiden Gegner zu beruhigengesucht hätte. Gr. Felix mag auch wohl das Unschickliche gefühlt haben, besondersin seiner Stellung als kaiserlicher Abgeordneter, eine Feierlichkeit durch weitere als-baldige Verfolgung seiner Rache zu stören. Er begnügte sich daher mit ausgestoße-nen Drohungen, die aber dem Herzog Ulrich sowohl, als selbst dem Kaiser Mar sobedenklich erschienen, daß ersterer einen Tag festsetzte, um selbst diesen Handel aus-zugleichen, letzterer aber seinem Landvogt von Nellenburg, dem Christof Schenk vonLimpurg, den Auftrag gab, beide Parteien mit Zuzug ihrer Freunde zu vergleichen.Allein, ungeachtet die letztem wohl damit zufrieden waren und hofften, der ganzeHandel werde auf diese Weise gütlich beigelegt werden, so genügte alles dieses demGr. Felix nicht, welcher die ihm angethane Schmach und Kränkung seiner Ehre nurmit dem Blute seines Feindes abwaschen zu können glaubte *).
„Gleich nach der Hochzeit zu Stutgarten ist Gr. Felix gern Mußelburg gerit-ten, daselbsten Er Jme entlihen fürgenommen, sich an Gr. Endreßen zu rechen.Dieweilen er nur außer seinen oder seiner Brüder Heußern solches nit fueglich zuwegebringen konnte, die Brüder aber (besonders der ruhige friedliche Christof) wo-von sie seines Vorhabens bericht gewesen, eine solche thätliche Handlung nit gestattethetten", wendete sich Gr. Felix an seinen Schwager, Joh. Werner von Zimmern,Hrn. zu Wildenstein, zu dem er ein besonderes Vertrauen hatte. Diesem schrieb ernun eigenhändig: „Da Im ein Walch in Luttringen am Hochmuet bewißen, auchdas die Luttringer alle an In als einen Teutschen alle wellen geritten sein. Hierauffbitte er Ine uff alle Liebe und Trewe, so er zu Im hab, auch uff aste Dienst, dieer, Gr. Felix, Jme sein Lebenlang noch mer beweißen und thuon, ob sich, das ErIm ain Pferdt 8 oder 10 gen Wildenstain schicken wurde, ob er Jme die Hainilichvor sein Bruder Gr. Christophen behalten welle, denn er im Sinn sich dermaßen indie Sach zu schiken, das die Walen Jme ein anvermal zufrieden laßen und sehenwerden, das sie die Teutschen nit also verachten sollen, mit Erpiettung solches gegenJnne Hrn. Johannsen Wernhern, mit Leib und Guett wiederum zu verdienen,^.etum Mittwoch vor Lätare 1511." — Johann Werner von Zimmern, ohne wasArges zu denken oder die Absicht des Gr. Felix zu ahnden, ging in den Vorschlagein und letzterer schickte einige Pferde nach Wildenstein und bewarb sich bei seinemBruder und der Stadt Biberach um einige vertraute Knechte, welchen auch die Wegeund Stege im Höhgau und Madach bekannt seien. Dieselbigen haben sich bei drei
i) Nachstehende Geschichtserzählung ist größtentheils wörtlich der Zimmerschen Chronik(von welcher oben) entnommen.